1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zur Bürgerbeteiligung in Bonn: Eine Art Ablass

Kommentar zur Bürgerbeteiligung in Bonn : Eine Art Ablass

Bonn soll alsbald klimaneutral werden. Wie gut, dass ein Häuflein bewundernswert engagierter Bürger die Sache selbst in die Hand genommen hat, kommentiert Martin Wein.

Kurz vor Toresschluss ist die schwarz-grün-gelbe Ratskoalition dann doch noch ins Schwitzen gekommen. Das lag sicher auch an den hohen Temperaturen der letzten Wochen, die nur ein Vorbote kommender Mega-Sommer sein dürften. Es lag aber wohl auch an der Erkenntnis, dass man trotz Klimanotstandsbeschluss vor einem Jahr und der hohen gesellschaftlichen Relevanz des Themas bislang nicht wirklich Substanzielles erreicht hat, um Bonn alsbald klimaneutral aufzustellen. Radschnellwege lassen auf sich warten, der Cityring ist wieder offen und von einem Meer an Solardächern ist weit und breit nichts zu sehen. Wie gut passte es da, dass ein Häuflein bewundernswert engagierter Bürger im Frühjahr die Sache mit einem bunten wie fröhlichen Beteiligungskonzept selbst in die Hand genommen hat.

Nun muss man sich ja wirklich über die Menschen freuen, die Geld und sehr viel Freizeit opfern, um die Klimakrise als größte aktuelle Bedrohung der Menschheit in den Griff zu bekommen. Ihr bürgerschaftliches Engagement in allen Ehren, aber es hat trotzdem etwas von Ablasshandel, wenn die Ratsmehrheit jetzt auf den allerletzten Drücker vor der Wahl, angesichts eines ziemlich unkonkret formulierten Konzeptes und ohne jede Prüfung von Alternativen praktisch einen Blankoscheck über eine Dreiviertelmillion Euro auf den Tisch legt. Hauptsache man kann zur Wahl einen Erfolg präsentieren. Dabei ist eines klar: Die für viele Bürger durchaus auch schmerzhaften Entscheidungen muss auf kommunaler Ebene der Stadtrat fällen, allein der Rat. Der ist bislang vor den Widerständen aus Wirtschaft, Handel und Zivilgesellschaft regelmäßig eingeknickt. Wie die geplanten Klimaforen diese Blockade aufheben sollen, bleibt offen.