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Kommentar zur Digitalisierung von Senioren: Eine Frage der Bildung

Kommentar zur Digitalisierung von Senioren : Eine Frage der Bildung

Ärmere Menschen haben einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsversorgung und guter Pflege, und sie sterben früher. Die Digitalisierung droht diesen Trend zu verstärken. Denn der Zugang zum Internet hängt nicht zuerst vom Alter, kommentiert Eva Quadbeck.

Ärmere Menschen haben einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsversorgung und guter Pflege, und sie sterben früher. Die Digitalisierung droht diesen Trend zu verstärken. Denn auch der Zugang zum Internet hängt nicht zuerst vom Alter, sondern vor allem von Bildung und Wohlstand ab. Das heißt, ärmere Senioren haben auch weniger Möglichkeiten, medizinische Versorgung und Pflege online abzurufen oder sich in Portalen zu informieren.

Löblich ist, dass die Bundesregierung die Digitalisierung in der älteren Generation zum zentralen Thema ihres achten Altersberichts gemacht hat. Der Umgang mit dem Befund ist wieder einmal schwerfällig. Wenn die Erkenntnis da ist, dass der Internet-Zugang für alle Haushalte zur Daseinsvorsorge gehört, also ebenso wichtig ist wie Wasser- und Strom-Anschluss, dann ist es rätselhaft, warum die Seniorenministerin bei diesem Thema ihre Koalitionspartner CDU und CSU in Wirtschaftsministerium, im Verkehrsressort und Kanzleramt nicht mehr treibt. Lücken in der Versorgung gibt es vor allem auf dem Land – und dort wohnen überproportional viele Senioren.

Der Altersbericht ist mit vielen warmen Worten und Hinweisen vorgestellt worden, dass menschliche Begegnungen wichtig bleiben. Dagegen ist nichts einzuwenden. Die konkreten Konsequenzen, wie man das soziale Gefälle beim Zugang zum weltweiten Netz abbaut, haben ebenso gefehlt wie ein Konzept, um Hochbetagten mehr Möglichkeiten zu verschaffen, an der digitalen Welt teilzuhaben. Insbesondere in Corona-Zeiten, in denen Senioren noch mehr als Jüngere auf soziale Kontakte außer Haus verzichten müssen, ist die Frage von Breitbandausbau und durchgehender Mobilfunkversorgung mindestens genauso wichtig wie die regelmäßige Müllabfuhr.