1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zum Eklat in Hoffenheim: Es bleiben Fragen offen

Kommentar zum Eklat in Hoffenheim : Es bleiben Fragen offen

Mit dem 13-minütigen Nichtangriffspakt in der Begegnung zwischen der TSG Hoffenheim und Bayern München haben die Spieler ein Zeichen gegen Hetze gesetzt. Das ist per se gut, es bleiben aber viele Fragen offen, kommentiert GA-Redakteur Simon Bartsch.

Die 13 verbliebenen Minuten der Begegnung Hoffenheim gegen Bayern München erinnerten ein wenig an einen der größten Skandale der deutschen WM-Geschichte. An die Weltmeisterschaft 1982, die Schmach von Gijón, als sich Deutschland und Österreich auf einen Nichtangriffspakt einigten und sich munter den  Ball zuspielten. Auch die Ballschieberei zwischen der TSG und dem Rekordmeister wird in die Geschichtsbücher eingehen. Nur eben nicht als Schmach, eher als ein Zeichen. Ein Zeichen der Solidarität, eine Reaktion auf das „hässliche Gesicht des Fußballs“ – die Beleidigungen gegen Dietmar Hopp.

Das ist per se gut. Denn die Akteure haben in Hoffenheim ein Ausrufezeichen gegen die Hetze gesetzt. Allerdings eins, das viele Fragezeichen hinterlässt. So muss man sich schon die Frage stellen, ob diese Maßnahme im Verhältnis zu den zahlreichen anderen Übergriffen in den deutschen Stadien steht. Zu den Rassismus-Vorfällen der vergangenen Wochen, zu den üblichen Beleidigungen, Homophobie oder Antisemitismus im Fußball.

Im Fall des Berliners Jordan Torunarigha, der rassistisch beleidigt wurde, gab es gerade einmal eine Stadiondurchsage, bevor das Spiel wieder aufgenommen wurde. Eine Begegnung wurde gegen die Junioren der Hertha gewertet, weil sich die Mannschaft hinter einen rassistisch beleidigten Spieler stellte und mit ihm das Spielfeld frühzeitig verließ. Die Spieler wurden, wenn man so will, für ihre Solidarität bestraft.

Eben jene Solidarität, die der DFB so vehement fordert, mit
der er gerne wirbt. Die auf den Plätzen der Republik jedoch mitunter mehr Schein als Sein ist. Es reicht nicht, Spielführer Gelübde verlesen, ein Fair-Play-Symbol auf die Trikots drucken oder einen Werbespot gegen Rassismus drehen zu lassen. Den Worten müssen Taten folgen. Drastische Taten. Mit einem Dreistufen-Plan, der im schlimmsten Fall zu einem Spielabbruch führt, ist es aber nicht getan. Bei dem Ausmaß an Beleidigungen, Hass, Rassismus und Hetze, die seit jeher die Partien begleiten, würde kein Spieltag mit sämtlichen Spielen enden – und das ligaübergreifend.

Karl-Heinz Rummenigge hat angekündigt, gegen die Vorkommnisse aufs Schärfste zu reagieren und die Leute zur Rechenschaft zu ziehen. Das ist die richtige Antwort. Die Übeltäter müssen lebenslang aus den Stadien verbannt und wenn es einen juristischen Ansatz gibt, auch strafrechtlich verfolgt werden. Es wäre schön, wenn DFB, DFL und weitere Vereine nun ebenfalls Farbe bekennen. Und das nicht nur bei den Übergriffen gegen Dietmar Hopp. Sonst bleibt die Aktion nicht mehr als nur ein Zeichen.