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Kommentar zur Stadthalle: Es ist ein Jammer

Kommentar zur Stadthalle : Es ist ein Jammer

Die Sperrung der Stadthalle in Bad Godesberg hat eine lange Vorgeschichte. Schon 2015 haben die Mitglieder des damaligen Stadtrats in Bonn der Verwaltung den Auftrag erteilt, ein Hallenkonzept zu erstellen.

SGB-Leiter Lutz Leide, seit einem guten halben Jahr im Amt, hat die Gründe für die Schließung der Stadthalle im Planungsausschuss nachvollziehbar dargelegt. In einem Bau, dessen möglicher Einsturz unangekündigt über die Liegenschaft hereinbrechen könnte, ist ein Betrieb nicht zu verantworten.

Dass diese Entscheidung zunächst auch die Nebengebäude betrifft, ist verständlich, solange das Gutachten nicht in Gänze vorliegt. Angesichts solcher Schäden in der Bausubstanz erscheint kaum verwunderlich, dass ein Abriss des seit 2012 unter Denkmalschutz stehenden Baus nicht auszuschließen ist und in den Reihen der Politik über einen Neubau spekuliert wird, wenn die Einschätzung der Experten auch abzuwarten bleibt.

Die Genese, die die Stadt in diese Lage brachte, ist allerdings erschreckend. Man muss sich nur noch einmal vor Augen führen: Der Stadtrat erteilt der Verwaltung im Jahre 2005, also vor 15 Jahren, den Auftrag, ein Hallenkonzept ausarbeiten zu lassen, um die tatsächlichen Bedarfe zu ermitteln und die künftige Ausrichtung sinnvoll gestalten zu können. So weit, so plausibel.

Das Gutachten des Unternehmens Cima liegt 2018 vor und gleicht einer Bestandsaufnahme. Das lang erwartete Konzept könnte man mit den Worten umschreiben: „Läuft in Bonn mit den Hallen, aber bitte sanieren, wo nötig.“ Seit zehn Jahren weiß die Verwaltung um den Sanierungsstau der Stadthalle. Mehr als einmal hieß es, das Hallenkonzept müsse zunächst vorliegen. Mehr als ein Jahrzehnt zog ins Land. So kann kein Bauherr dem Denkmalschutz gerecht werden. Es ist ein Jammer.