Kommentar Fifa-Machenschaften - Rote Karte für Blatter

Berlin · Ein schönes, ein wunderbares Spiel. Es heißt Fußball. Ein schmutziges, ein gekauftes Spiel, ausgetragen nicht auf perfektem Rasen mit klaren Linien, sondern gespielt nach den Regeln einer dunklen Macht, der Fifa. Ein Kommentar.

Der Weltfußballverband hat sich unter seinem Langzeit-Präsidenten Joseph Blatter zu einer Organisation entwickelt, in der Selbstbedienung und Vetternwirtschaft als Geschäftsprinzip in eine nie gekannte Perfektion getrieben wurden.

Der 79 Jahre alte Schweizer, der sonnengottgleich über der Wirklichkeit schwebt, verkauft die jüngsten Festnahmen in seinem Umfeld, unter engen Weggefährten, zynisch und dreist als Erfolg von Transparenz bei der Fifa. Allein dafür gebührt Blatter die Rote Karte.

Es wäre beruhigend für dieses schöne, dieses Völker verbindende Spiel, für den Weltfußball auch als Organisation, könnte man Blatter tatsächlich vom Platz stellen. Sein Abgang ist überfällig. Wenn in seiner mittlerweile 17 Jahre währenden Amtszeit etwas funktioniert hat, dann dies: Blatter machte die Fifa zur weltweiten Verkaufs- und Lizenzmaschine und ließ immer dann, wenn Korruptionsvorwürfe zu laut nach Aufklärung schrien, Kommissionen mit allzu willfährigen Ermittlern gründen, die dann ein irgendwie bestelltes Ergebnis lieferten.

Das hat lange funktioniert. Bis der ehemalige US-Staatsanwalt Michael Garcia kam und die Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der Fußball-Weltspiele 2018 nach Russland und 2022 nach Katar untersuchen sollte. Mit Garcia konnte Blatter nicht spielen. Garcia ermittelte und warf hin. Die Fifa wehrte sich über Wochen gegen die Veröffentlichung des 430-seitigen Garcia-Reports zu möglichen Korruptionsfällen rund um die beiden WM-Vergaben. Dass die Schweizer Behörden ausgerechnet auf Amtshilfeersuchen des US-Justizministeriums tätig wurden und hochrangige Fifa-Funktionäre festgenommen haben, ist kein Zufall. Garcia hat seinen Job gemacht. Und auch Fifa-Ehemalige sollen ausgepackt haben.

Träumen wir uns in ein schönes Spiel nach sauberen Regeln. Erstens: Die für morgen angesetzte Wahl des Fifa-Präsidenten wird verschoben. Zweitens: Die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar werden neu ausgeschrieben. Mit internationalen Beobachtern wie sie UN oder OSZE bei Wahlen in gescheiterten Staaten einsetzen. Die Fifa - das ist keine Frage mehr - ist auf ihre Art ein gescheiterter Staat. Neuausschreibung für 2018 geht nicht mehr - weil die Zeit zu knapp ist? In Fußball-Nationen wie England, Italien, Spanien oder Argentinien kann jederzeit eine Endrunde gespielt werden. Und Deutschland stünde ohnehin für eine Neuauflage des Sommermärchens von 2006 bereit. Wie gesagt, wir träumen, weil es anders kommen wird. Aber die Fifa, dieser Alt-Herren-Selbstbedienungsverein, ist dabei, diesen Sport komplett zu verkaufen. Das Spiel muss neu angepfiffen werden. Jetzt ist die Chance da.

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