Kommentar zu Corona-Lockerungen Flexibilität erhöhen

Meinung | Berlin · „Global denken, lokal handeln“, so lautet ein amerikanisches Sprichwort aus dem vergangenen Jahrhundert. Doch auf die Corona-Pandemie lässt sich dieses nur bedingt anwenden, kommentiert unser Autor.

 Das Coronavirus hält die gesamte Welt sei Wochen in Atem. Dennoch brauchen wir lokale Maßnahmen.

Das Coronavirus hält die gesamte Welt sei Wochen in Atem. Dennoch brauchen wir lokale Maßnahmen.

Foto: dpa/Matteo Groppo

Die Bekämpfung des Coronavirus ist eine globale Angelegenheit. Auch wenn irgendwann mal Impfstoffe und Medikamente zur Abmilderung der gesundheitlichen Folgen zur Verfügung stehen, kann sich Covid-19 aus jedem Winkel der Welt schnell wieder ausbreiten, solange es nicht überall mit Erfolg bekämpft wird. Da mutet es zunächst fremd an, wenn Deutschland den Weg nicht ins Globale, nicht ins Europäische, nicht ins Nationale, sondern ins Regionale und Lokale geht.

Ist es mehr als ein Handeln nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum im Umgang mit einem in seinen Dimensionen ungeahnten Problem? Etwa nach dem Motto: In einer ersten Phase haben wir ein ganzes Land heruntergefahren, um Problembewusstsein zu schaffen und uns Zeit für den Ausbau der Intensivmedizin zu kaufen, nun kommt es darauf an, dass wir uns auf die Hotspots konzentrieren? Und ist nicht ein Kirchturmdenken ein riskantes Unterfangen in einer Zeit, in der die Menschen eben nicht in ihrem Sprengel bleiben, sondern mobil über die Grenzen ihrer Dörfer, Kreise und Städte unterwegs sind?

Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts schwören immer mehr Akteure auf das amerikanische Sprichwort „global denken – lokal handeln“. Gerade in der Virusbekämpfung lassen sich zwar abstrakte überregionale Vorkehrungen treffen, doch konkret wird es bei den einzelnen Infizierten, ihren Familien, Nachbarn, Freunden. Dann muss das Gesundheitssystem lokal reagieren. Die Gesundheitsämter sind zuletzt personell verstärkt worden. Und doch braucht es mehr Flexibilität, wenn das Konzept erfolgreich sein soll.

Dass die Städte und Gemeinden sich aus rechtlichen Gründen schwer damit tun, auf mobile Einsatzteams des Bundes zuzugreifen, passt zur Verfassung, die es dem Bund verbietet, die Länder zu umgehen. Aber es passt nicht zu einem pandemischen Katastrophenfall. Hier muss mehr in Reserven, Netzwerken, Bereitschaften gedacht, die strenge Verwaltungstrennung zwischen Werktag und Wochenende gelockert und die starren Vorgaben von Bund und Ländern für die kommunalen Behörden aufgegeben werden. Wo nur ein Wohnkomplex betroffen ist, muss das Leben nicht in allen anderen Straßen, Dörfern und Städten im Umkreis lahmgelegt werden. Umgekehrt sollten sich die Entscheider vor Ort auch nicht dagegen sträuben, sich jederzeit Expertise von außen und von oben zu sichern, um optimale Lösungen zu finden.

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