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Kommentar zum Corona-Chaos: Flickenteppich

Kommentar zum Corona-Chaos : Flickenteppich

Keiner blickt mehr durch. Was in Corona-Zeiten in Berlin und Brandenburg erlaubt ist, ist in Bayern verboten, in Nordrhein-Westfalen dagegen wieder erlaubt (aber nur im Freien), in Niedersachsen wiederum verboten. Das alles ist kaum mehr zu erklären.

Die Maske auf, die Maske ab, die Maske auf... Der Corona-Flickenteppich ist kaum mehr zu erklären, die Menschen blicken nicht mehr durch, was zu einer nachlassenden Akzeptanz der weiter notwendigen Ein- und Beschränkungen führt. Die Länder blockieren sich mit vermeintlich passgenauen Lösungen gegenseitig. Nichts passt mehr zusammen. Dabei verlangt der Kampf gegen eine Pandemie, wenn er erfolgreich sein soll, ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte es zu einer frühen Phase der Corona-Krise geahnt, als einige Ministerpräsidenten vorpreschten, um sich als große Krisen­manager einem breiten Publikum zu präsentieren. Liebe Länderchefs, dann macht mal schön! Merkel ließ sie machen. Mal zog der eine die Kontrollen an, dann wiederum wollte der andere sie großzügig lockern, weil in seinem Bundesland die Infektionszahlen gerade nach unten gingen.

Dabei verbreitet sich das Virus in Wellen. Bund und Länder müssen dazu zurückkehren, bundesweit einheitliche Regelungen und Sanktionen für Feiern (auch private) und Veranstaltungen zu schaffen. Eine Trauerfeier in Hessen kann den Flug des Virus ebenso beschleunigen wie eine Hochzeit in Rheinland-Pfalz. Das Virus ist grundsätzlich überall gleich gefährlich. Deswegen greifen unterschiedliche Länder-Regelungen zu kurz. Die Stärke des Föderalismus ist in diesem Fall eine gefährliche Schwäche. Vergessen wir dabei die Verschwörungs­theo­retiker und Alu-Hüte mit ihren selbstgebastelten Wahrheiten.

Jetzt, da Tausende Urlauber – auch aus Risikogebieten – nach Deutschland zurückkehren, steigt die Zahl der Infizierten wieder. Große Überraschung?! Ein Lockdown wie im Frühjahr wäre gesamt­staatlich kaum mehr zu stemmen. Ein zweites Mal wird der Staat die gigantischen Milliardenhilfen nicht ausschütten können, um die schlimmsten wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufedern. Die Länder müssen alle 16 endlich einheitlich an einem Strang mit dem Bund ziehen. Anders kann man der Pandemie nicht beikommen. Ein Alleingang bringt niemanden weiter. Nicht einmal potenzielle Kanzlerkandidaten.