Kommentar Flüchtlinge - Machbare Quote

Brüssel · Es geht nicht um die 11 849 Flüchtlinge und Bürgerkriegs-Opfer, die Deutschland nach dem Vorschlag der Brüsseler Kommission aufnehmen müsste. Es sage niemand, das reichste, wohlhabendste und wirtschaftsstärkste Land der EU sei nicht in der Lage, ein paar Betroffene mehr zu verkraften. Diese Relation der Zahlen gibt es in allen Mitgliedstaaten der Union. Kein Land würde durch einen solchen Akt der Solidarität aus dem Gleichgewicht gebracht.

Deshalb sind weder die Widerstände noch die Proteste von der Sache her zu rechtfertigen. Doch wer auf Werte schwört, muss damit rechnen, dass seine Versprechen auch eingefordert werden. Nicht das anonyme Gebilde EU hat den Lackmus-Test seiner Glaubwürdigkeit abzuliefern, sondern die Europäer. Sie sind es, die nun zeigen müssen, dass Frieden, Freiheit und Wohlstand keine geschlossene Veranstaltung sind, sondern dass man sich aus Erinnerung an die eigene dunkle Vergangenheit die Offenheit für jene bewahrt hat, denen es heute so geht wie den Menschen der europäischen Länder vor 70 Jahren.

Die Brüsseler Kommission hat nicht nur ein vertretbares, sondern vor allem ein machbares Quoten-Instrument vorgelegt. Es bedeutet keinen Bruch mit der bisherigen Asyl-Strategie. Es ist kein Blankoscheck für alle und jeden, der sich noch in Afrika mit Fluchtplänen trägt. Natürlich bedeutet dieser Vorstoß eine Herausforderung. Aber es wäre unvorstellbar, wenn sich diese Union, die sich auf den Lehren des Zweiten Weltkrieges aufgebaut hat, nicht als Hort der Menschlichkeit beweisen würde.

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