Kommentar Geheimdienste - Und wie das geht!

Markus Grabitz, Berlin

Die Kanzlerin war empört, als bekannt wurde, dass ein amerikanischer Geheimdienst ihre Gespräche am Handy belauscht hat: "Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht!" Nun wurde bekannt, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst türkische Regierungsmitglieder abgehört haben soll. Die deutsche Opposition wirft Merkel nun Doppelzüngigkeit, ja Scheinheiligkeit vor.

Dieser Vorhalt ist abwegig. Die Türkei ist zwar militärischer Bündnispartner, sie ist ein immer wichtigerer Handelspartner, sie ist ein Land, das über die zugewanderten Türken und Kurden viele Anknüpfungspunkte mit Deutschland hat.

Nur: "Freunde", das sind die türkische und die deutsche Regierung sicherlich nicht. Merkel hat gehörige Distanz zu ihrem Amtskollegen in Ankara. Das hat Gründe: Die gravierenden Menschenrechtsverstöße der Sicherheitsbehörden, das zweifelhafte Demokratieverständnis von Erdogan, der sich vor gar nicht langer Zeit noch gegen den Vorwurf der Vetternwirtschaft verteidigen musste.

Vor allem aber gibt es hinreichend viele Gründe, warum der Auslandsgeheimdienst BND in der Türkei hochwachsam sein sollte. Im tiefen Osten der Türkei in Kurdistan liegt ein hochexplosives Ländereck: Die Türkei grenzt an Iran, Irak und an Syrien.

Das heißt: Mullahregime in Teheran, IS-Aktivitäten rund um Bagdad und Bürgerkrieg um Damaskus. Noch Fragen? Wenn der deutsche Auslandsgeheimdienst da nicht alle Augen und Ohren offen hätte und das eine oder andere Telefonat abhören würde, hätte er erbärmlich versagt.

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