1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zu Facebook: Gieriger Bruder

Kommentar zu Facebook : Gieriger Bruder

Verbraucherschützer laufen seit geraumer Zeit Sturm gegen Facebook. Der Vorwurf lautet, der Konzert missbrauche seine Marktmacht, nehme es mit dem Datenschutz nicht so genau.

Erst am Montag unterlag Facebook in einem Verfahren vor dem Landgericht Berlin wegen Datenschutzverstößen in den Nutzungsbedingungen: Die 100.000 Euro Strafe zahlt der Konzern (weltweiter Umsatz 2015: 18 Milliarden Dollar) aus der Portokasse.

Jetzt könnten die Daten- und Verbraucherschützer einen mächtigen Verbündeten bekommen: das Bundeskartellamt. Die Behörde geht dem Anfangsverdacht nach, Facebook könnte die Nutzer nicht genug darüber informiert haben, was das Soziale Netzwerk mit den persönlichen Daten anstellt. Die Daten werden Werbekunden zur Verfügung gestellt.

Kartellrechtlich wird das Ganze interessant, wenn Facebook als Monopolist seinen Datenvorsprung ausspielt – der Konzern kennt als großer gieriger Bruder das Profil, die Vorlieben, das Netzwerk und Umfeld seiner Nutzer. Die wiederum wissen nichts über den Umfang der gesammelten Daten und deren Vermarktung.

Mit dem Kartellamt würde Facebook endlich einen ernsthaften Gegner bekommen: Verstöße können bis zu einem Zehntel des Umsatzes kosten. Die kartellrechtliche Beobachtung in Deutschland kann nur der Anfang sein. In Brüssel hält man sich zwar bislang heraus, Wettbewerbskommissarin Vestager sollte aber die Vorlage aus Deutschland beherzigen. Die größte Macht aber hat letztlich der Facebook-Nutzer. Nur der nutzt sie nicht.