Chinesischer Kurssturz Gut gerüstet

Frankfurt · So hatten sich die Anleger den ersten Börsentag des Jahres 2016 sicher nicht vorgestellt. Die Reaktion auf die schwachen chinesischen Wirtschaftsdaten fiel unverhofft heftig aus.

Dax-Anleger haben den schlechtesten Jahresstart seit 1988 erwischt. Das ist (nicht nur) ein schlechtes Omen, denn häufig gibt die Tendenz der ersten Handelstage die Richtung fürs Jahr vor.

Überraschend ist die Wucht, mit der sich die Sorgen um die Wirtschaft Chinas zurückgemeldet haben. Schließlich kommt die Wachstumsschwäche alles andere als überraschend. Der Umbau der chinesischen Wirtschaft von einer billigen verlängerten Werkbank des Westens zu einem Hightech-Standort ist gewollt. China will sich so von seiner Abhängigkeit von der Welt lösen. Dienstleistung und Konsum sollen eine kaufkräftige Mittelschicht herausbilden. Der Umbau verläuft allerdings sehr viel holperiger als erwartet.

Das Wachstumsziel von sieben Prozent für 2015 ist deutlich verfehlt worden. Experten taxieren das Plus beim Bruttoinlandsprodukt auf nur noch 6,8 Prozent, Tendenz schrumpfend. Doch selbst diese Zahl ist höchstwahrscheinlich geschönt. In diesem Jahr wird das Reich der Mitte ganz sicher mit weiteren Hiobsbotschaften aufwarten.

Vor allem die Industrie schwächelt. Weniger Investitionen bedeuten auch, dass die Ausrüster - unter ihnen viele deutsche Maschinen- und Anlagenbauer - kleinere Brötchen werden backen müssen. Der Branchenverband VDMA rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang der China-Geschäfte um fünf Prozent.

Jede Medaille hat jedoch zwei Seiten. China verfügt nämlich immer noch über einen stark wachsenden Dienstleistungssektor und stetig steigenden Konsum. Die vom Sportartikelhersteller Adidas gerade angehobenen Prognosen scheinen die Einschätzung zu bestätigen, dass hier einige Möglichkeiten schlummern, die auch der Autoindustrie nützen dürften.

Außerdem haben es deutsche Exporteure verstanden, sich nicht zu abhängig von einem Markt zu machen. China ist zwar Deutschlands viertwichtigster Handelspartner nach Frankreich, den USA und Großbritannien, doch kommt den Exporteuren die gerade wieder erstarkende US-Wirtschaft sehr zupass. Gepaart mit einem starken Dollar ist das ein angenehmes Trostpflaster.

Tröstlich aus Sicht der Unternehmen ist auch, dass Börse und Wirtschaft in China weniger gemein haben als hierzulande. Dem Einbruch im vergangenen Sommer war ein Kursfeuerwerk vorausgegangen, das Chinas Regierung mit allen Mitteln hatte fortsetzen wollen. Jetzt, da die ausgesprochenen Verkaufsverbote wohl auslaufen, bringen Kleinanleger ihre Schäfchen ins Trockene, bevor sie noch billiger verkaufen müssen. Das führt zu Verwerfungen. Schwache Wirtschaftsdaten sind da eher ein Auslöser für einen Druck, der sich sowieso ein Ventil gesucht hätte.