Kommentar Harter Winter

Der Eindruck, die EU vermittele im Gasstreit zwischen Kiew und Moskau aus ganz und gar uneigennützigen Motiven, ist falsch. Auch wenn sich Moskau bisher stets als verlässlicher Geschäftspartner zeigte, waren die Zweifel, ob am Ende wirklich die vereinbarten Lieferungen während der Wintermonate ankommen würden, groß.

Zwar gibt es volle Speicher, doch wenn sich die Union, wie beabsichtigt, beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs auf solidarische Unterstützung verständigt, helfen Vorräte nur bedingt. Denn dann wird ausgetauscht und mitversorgt. Die EU hat gegenüber den Ost-Mitgliedern, die zu hundert Prozent von Moskau abhängig sind, Beistandserklärungen abgegeben.

Eine Einigung würde also auch den Europäern die Angst vor den kommenden Monaten nehmen.

Doch noch müssen alle Beteiligten erst billigen, was die Unterhändler gestern Abend vorgelegt haben. Und das wird nicht einfach. Denn das gegenseitige Misstrauen ist durch die politischen Schlachten der letzten Monate nicht geringer geworden.

Das hat nun auch die Ukraine zu spüren bekommen, die sich bislang stets auf die unverbrüchliche Solidarität der Europäer verlassen konnte. Aber mehr als einmal gab es Misstöne, weil man nicht mehr wusste, ob die Blockade der ohnehin schwierigen Verhandlungen wirklich nur die Schuld Moskaus war. Noch ist dieser Abschluss nicht in trockenen Tüchern. Man kann im Sinne aller Ukrainer und auch der Europäer hoffen, dass nicht in letzter Minute neue Steine in den Weg gelegt werden. Denn dann könnte es ein wirklich harter Winter werden.

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