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Kommentar zur Bundesliga: In der Parallelwelt

Kommentar zur Bundesliga : In der Parallelwelt

Das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga, die Fortsetzung der Bundesliga - alles steht auf gläsernen Stelen. Die Vorgänge in Berlin vermitteln nun erneut den Eindruck, der Fußball befinde sich unverrückbar in einer Parallelwelt.

Einen Tag vor der Entscheidung, ob, wann und wie die Fußball-Bundesliga ihren Spielbetrieb wieder aufnimmt, hat der Sport-Informations-Dienst eine Liste versendet. Auf der stehen fein säuberlich die Verfehlungen einiger Protagonisten des Millionenspiels – vom Profi bis zum Trainer – im Hinblick auf die Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Einen satten Aufmachertext ergäbe das, auf den wir an dieser Stelle verzichten wollen.

In dem viel zitierten und gelobten Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga ist dagegen auf 51 Seiten umfangreich dokumentiert, was alles zu beachten ist, um überhaupt eine Fortsetzung des Ligabetriebs zu gewährleisten: von der Gradzahl, mit der Stofftaschentücher gewaschen werden sollen, bis hin zum Mindestabstand beim Husten oder Niesen. Ja, in dem Papier ist unter Punkt 6.17. tatsächlich auch angemahnt: Vorsicht bei der Verwendung von Handys anderer Personen! Nun hat der Fußballer Salomon Kalou zumindest eines befolgt, indem sein eigenes Handy das intime Innenleben der Hertha-Kabine via Facebook in die Welt transportierte. Das mit dem Abstandhalten nehmen sie bei der Hertha offenbar ebenso wenig ernst wie die erhoffte Realisierung zum „Big City Club“.

Jeder wusste, das Konzept hat Schwächen. Seine größte: die Ignoranz der Gefahr gegenüber, zumindest aber die Gedankenlosigkeit der Protagonisten. Alles steht auf gläsernen Stelen. Und wenn schon, wie Kalous Handy-Aufnahmen zeigen, die Spieler selbst gegen die leichter umsetzbaren Verhaltensregeln verstoßen in diesem Umfeld der proklamierten Sicherheit, muss die Frage doch lauten: Was machen sie denn zu Hause, wo sie von ihren Arbeitgebern nicht überwacht werden können?

Die Vorgänge in Berlin vermitteln erneut den Eindruck, der Fußball befinde sich unverrückbar in einer Parallelwelt. Das ist verheerend für die Außenwirkung, will er doch seinem Willen nach einem Neustart Nachdruck und Akzeptanz verleihen – auch in der Bevölkerung. Es steht zu befürchten, dass Kalou in seiner Selbstvergessenheit und Arroganz kein Einzelfall ist. Seine Suspendierung war natürlich zwingend erforderlich. Schadensbegrenzung – als mehr kann sie nicht dienen.