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Kommentar: Inklusion in NRW - Zerpflückt

Kommentar : Inklusion in NRW - Zerpflückt

Selten ist ein Reformprojekt von den Experten derart gründlich zerpflückt worden wie das Inklusionsgesetz der NRW-Landesregierung.

Für die Umsetzung des gemeinsamen Lernens von behinderten und nicht behinderten Kindern fehlen fast alle Voraussetzungen: Geld, Förderlehrer, eine systematische Fortbildung und klare Regelungen, wer den individuellen Förderbedarf eigentlich festlegen soll. Auch die zentrale Frage bleibt ungeklärt: Kann der behinderte Schüler in der Regelschule wirklich immer besser gefördert werden?

Weder gibt es eine Garantie für eine Doppelbesetzung mit Pädagogen in einer Inklusionsklasse, noch stehen genügend Sonderpädagogen bereit. Als Experiment am Schüler eignet sich die Inklusion aber nicht. Sorgfalt geht vor Schnelligkeit. Ministerin Löhrmann muss zunächst ihre Hausaufgaben machen, bevor sie die Mammutaufgabe umsetzt. Es droht ein Sturm entrüsteter Eltern von behinderten wie nicht behinderten Kindern, wenn die Qualität der Ausbildung auf der Strecke bleibt. Die Warnung der Städte vor einem Scheitern der Inklusion ist mehr als berechtigt.

Löhrmanns Konzept ist unausgereift und rechtlich riskant. Schon drohen die Kommunen mit Klagen, falls sich das Land nicht stärker an den Kosten der Infrastruktur für die Inklusion beteiligt. In jedem Fall eignet sich das gemeinsame Lernen nicht für parteipolitische Alleingänge. Rot-Grün sollte den Zeitplan für die schrittweise Einführung des Rechtsanspruchs 2014/15 noch einmal überdenken.