1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zur Rheinspange: Jetzt bloß nicht kneifen

Kommentar zur Rheinspange : Jetzt bloß nicht kneifen

Dass ein Bauwerk wie eine Brücke oder ein Tunnel keine Auswirkungen auf die Umwelt hat, ist illusorisch, meint GA-Redakteur Dylan Cem Akalin. Das gilt auch für die Rheinspange. Doch eine Kehrtwende in der Planung dieses Verkehrsprojekts wäre falsch.

Gutachten lassen sich natürlich so lesen, dass sie mögliche Zweifel bestätigen – oder entkräften. Vor allem, wenn die Sachverständigen in ihrer Darstellung derart ins Detail gehen, wie es in der Umweltverträglichkeitsstudie zur Rheinquerung geschehen ist.

Wer hat denn ernsthaft erwartet, dass eine Brücke oder ein Tunnel zwischen der linksrheinischen A555 und der linksrheinischen A59 völlig unproblematisch zu bauen ist? Insofern kann man sich über manche Reaktionen, die mittlerweile auch in den sozialen Medien über die Studie kursieren, nur wundern.

Keine Planung ohne Umweltfolgen

Es wird in der gesamten Republik wohl keinen Raum geben, wo ein neues Verkehrsprojekt völlig reibungslos und ohne Folgen für Umwelt, Mensch und Tier umgesetzt werden kann. Das gilt auch für Windräder, Bahntrassen oder Wohnsiedlungen.

Fakt ist, dass die Rheinquerung ein Verkehrsprojekt ist, das seit vielen Jahren gefordert wird. Schon 2011 legte die Landesregierung ein erstes Gutachten dazu vor, das allseits begrüßt wurde.

2016 waren sich noch alle einig

2016 forderten Planungspolitiker aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis nach einer gemeinsamen Sitzung in einer Resolution einmütig, dass dieses Verkehrsprojekt in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen werden sollte.

Wenn sich jetzt einige Kommunalpolitiker aus der Verantwortung stehlen mit der Aussage, sie lehnten das Projekt in Gänze ab, verwundert das schon. Jetzt gilt es nämlich, auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse abzuwägen, welche „Raumwiderstände“ es zu überwinden gilt.

Übrigens: Naturschutzgebiete sind ebenso wenig sakrosankt wie Siedlungsbereiche. Für Stuttgart 21 wurden ganze Eidechsenpopulationen umgesiedelt. Irgendeine Kröte muss wohl geschluckt werden. Welche, das entscheiden Politik, Bürger und Planungsbehörden in einem ziemlich transparenten Verfahren – gemeinsam.