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Kommentar zu den Kontrollen am Rhein : Kampf den Symptomen

Kommentar zu den Kontrollen am Rhein : Kampf den Symptomen

Abermals haben Kräfte der Polizei und des Ordnungsdienstes am Wochenende die Bonner Rheinaue kontrolliert. Insgesamt 70 Kräfte waren in der Nacht zu Samstag und Sonntag unterwegs. Sie kontrollierten 90 Personen und sprachen 36 Platzverweise aus.

Auftrag ausgeführt, so ließe sich aus Sicht der Einsatzführung sagen: Denn das Großaufgebot, mit dem sich Polizei und Ordnungsdienst seit nunmehr acht Wochenenden den Rheinpromenaden zuwenden, zeigt offenkundig Wirkung. Während die Kontrollen konstant intensiv blieben, ist die Zahl der festgestellten Straftaten am vergangenen Wochenende auf nahezu null gesunken. Dies ist der erfreuliche Aspekt der jüngsten Nachrichten von den beliebten Treffpunkten, an denen die Grenzen zwischen Party, Störung und Straftaten zuletzt immer häufiger verschwammen.

Der andere Aspekt ist die Frage, wie sich die Situation wohl ohne die Sonderschichten der Polizei entwickelt hätte. Nach Bedrohungen und Attacken auf eingesetzte Beamte im Frühsommer legten sich die Verantwortlichen schnell auf eine konsequente Nulltoleranzpolitik fest. Dass laue Sommerabende an der Bonner Rheinpromenade inzwischen offenbar nur unter strenger Aufsicht einer Einsatzhundertschaft zu genießen sind, ist die weniger erfreuliche Schlussfolgerung, welche die 19 Einsätze mit insgesamt 1200 Polizeibeamten, 1300 Personenüberprüfungen und fast 400 Platzverweisen seit Ende Juni nahelegen. Die Symptome mögen gelindert sein und mit dem Herbstwetter naturgemäß nachlassen; über das strukturelle Problem und seine Ursachen hat man von Verwaltung und Politik bislang aber erstaunlich wenig gehört. Die anstehende Debatte um ein mögliches Alkoholverbot, wie es Anwohner fordern, könnte eine erste Gelegenheit sein. Sofern sie denn geführt wird.