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Kommentar zur Partyszene am Rheinufer: Kein Erfolg von Dauer

Kommentar zur Partyszene am Rheinufer : Kein Erfolg von Dauer

Am Bonner Rheinufer geht die Polizei verstärkt gegen Ruhestörer vor. Mit den Corona-Lockerungen scheinen Hemmschwellen gefallen zu sein, kommentiert Nicolas Ottersbach.

In Frankfurt ziehen marodierende Gruppen durch die Innenstadt, in Köln fliegen Flaschen. Mit den Corona-Lockerungen scheinen Hemmschwellen gefallen zu sein. Das haben Polizisten und die Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes auch in Bonn gemerkt. Vor allem rund um das Rheinufer traf sich eine Klientel, die ständig für Ärger sorgte. Die Antwort in allen Städten lautete bislang: Mehr Polizei, mehr Kontrollen.

Offenbar scheint das zu wirken. Dieses Wochenende blieb es in Bonn und Köln friedlich. Es gab zwar Festnahmen, vor allem aber, weil einige ihren Platzverweisen nicht nachkamen. In Köln räumte man nachts die Schaafenstraße und die Zülpicher Straße, weil feiernde Gruppen die Abstände nicht eingehalten hatten. In Beuel lösten die Behörden in der Rheinaue am Landgrabenweg am Freitag eine Familienfeier auf.

Rheinaue und -promenade sind aber nicht erst in der Corona-Krise beliebte Treffpunkte, über die es immer wieder Beschwerden gab. Das hatte die Polizei schon im vergangenen Jahr bemerkt. Bei steigenden Temperaturen treffen zwei Interessengruppen aufeinander: Diejenigen, die ihre Ruhe haben wollen, und diejenigen, die gerne bis tief in die Nacht feiern. Konnte man sich sonst auf Partys austoben, verlagert sich das Geschehen – nachvollziehbar – nach draußen. Pöbler und Gewaltbereite haben aber weder am Rhein noch woanders in der Stadt etwas zu suchen.

Was den Behörden in die Karten spielt, sind deutlich weniger Einsätze durch Großveranstaltungen wie Fußballspiele, die sonst massiv Kräfte binden. Es ist utopisch zu glauben, dass sich die schwarzen Schafe künftig nirgendwo mehr blicken lassen. Sobald die Polizeipräsenz abnimmt, werden sie wieder losziehen. Das zeigt einmal mehr: Die Polizei hat zu wenig Personal.