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Kommentar zur Suche nach dem Impfstoff: Keine hohen Erwartungen

Kommentar zur Suche nach dem Impfstoff : Keine hohen Erwartungen

Hoffnung an der Corona-Front: Pharmafirmen und Biotech-Startups kommen bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Sars-CoV-2 voran. Tatsächlich überspringen die Forscher derzeit mehrere sonst übliche Stufen, kommentiert unser Autor.

Neue pharmakologische Verfahren direkt am Menschen zu erproben, klingt zunächst leichtsinnig. Tatsächlich überspringen die Forscher derzeit nicht nur mehrere sonst übliche Stufen wie Tierversuche und Langzeitauswertungen mit kleinen Gruppen von Menschen. Sondern sie treiben mit mRNA-Impfstoffen auch die Anwendung einer Technik in die Praxisanwendung, die bisher in keinem marktfähigen Produkt zum Einsatz kommt.

Doch so waghalsig, wie das klingt, ist das nicht. Das Mainzer Unternehmen Biontech arbeitet seit 2008 mit solchen Wirkstoffen, der US-Konkurrent Moderna seit 2010. In der Krebsforschung haben sie ähnliche Methoden schon an vielen Patienten erprobt, ohne dass sich Schäden gezeigt haben. Es gibt also durchaus Langzeiterfahrung, zu der nun die Erprobung an vielen gesunden Freiwilligen hinzukommt.

Dennoch sollte die Öffentlichkeit keine zu hohen Erwartungen an die Geschwindigkeit der Impfstoff-Entwicklung stellen. Was normalerweise ein Jahrzehnt dauert, lässt sich nicht auf Monate verkürzen. Die frühe Version der Impfstoffe wird erst einmal etwas für Risikogruppen sein. Bis große Teile der jüngeren Bevölkerung geimpft werden, sollte dann noch etwas Zeit vergehen, um Erfahrungen zu sammeln. Und natürlich muss die Anwendung freiwillig bleiben, genau wie Minister Jens Spahn es vorsieht.