Notizen aus B. Mit dem Rad durch den U-Bahn-Tunnel

Kolumne | Bonn · Wer blickt bei der Adenauerallee eigentlich noch durch? Die Straße muss schon einiges mitmachen und wird bald wohl noch bekannter werden als die Kö, vermutet GA-Redakteur Richard Bongartz in der Kolumne Notizen aus B.

Im Tunnel der Bonner U-Bahn: Wer hier unterwegs ist, findet jetzt schon Verkehrsschilder.

Im Tunnel der Bonner U-Bahn: Wer hier unterwegs ist, findet jetzt schon Verkehrsschilder.

Foto: Nicolas Ottersbach

Wenn das so weitergeht, wird die Adenauerallee noch die berühmteste Promenade Deutschlands. Weit abgeschlagen dahinter die Kö, obwohl sie mit schicken Geschäften glänzt. Das liegt nicht daran, dass die B9 so besonders oder schön ist, sondern an dem ganzen Durcheinander vor und hinter den Kulissen.

Wer blickt denn überhaupt noch durch, welche Baustelle wo und wann beginnen kann? Wie viel Spuren soll es einmal geben? Was ist der Unterschied zwischen Sinkkästen und Nistkästen? Und Blitzkästen – die haben wir auch schon da gesehen. Die Schotten haben aufgepasst, dass die nicht unter ihren Rock fotografieren, damit kleine Geheimnisse solche bleiben. Ein Wunder, dass mit diesen trinkfesten Gästen auf dem Bürgersteig, den Hunderten Radfahrern auf ihrer Sonderspur und den einspurigen Autofahrern die Allee nicht längst auseinandergebrochen ist.

Großspurig geht es nur in den Gremien zu, wo jeder bedeutsam neue Lösungen präsentiert, damit die Aktenordner zur Adenauerallee aufbläht und deren Bekanntheitsgrad steigert. Selbst der Festausschuss Bonner Karneval plant schon, den nächsten Rosenmontagszug dort entlangziehen zu lassen: auf drei Fahrbahnen aufgeteilt in Festwagen mit Traktor, Fußgruppen samt Bollerwagen und jubelndes Volk auf der Standspur.

So langsam wird klar, mit oder ohne Sinkkästen wird es künftig eng. Wobei sich zwei weitere Lösungen anböten: Zum einen könnte je am Bundeskanzlerplatz und am Koblenzer Tor eine Baustellenampel aufgestellt werden, damit immer nur eine Richtung durchkommt. Ein weiterer dreimonatiger Verkehrsversuch soll zeigen, wie toll das klappt.

Schätze im Untergrund?

Ob die Planer daran gedacht haben, welcher Schatz im Untergrund liegt? Vielleicht können sich entweder Radfahrer oder Passanten in den Reigen der U-Bahnen einreihen. Einstieg in den Tunnel am Hofgarten oder an der Heussallee/Museumsmeile. Zwischendurch kommen immer wieder Haltestellen, um auszusteigen oder frische Luft zu schnappen.

So treibt der Versuch, Mobilität und Klimaschutz unter einen Hut zu bringen, immer seltsamere Blüten. Löblich ist da das Engagement eines grünen Bonner Stadtverordneten, eine Dienstfahrt in die befreundete Stadt Oppeln mit dem Zug zu planen. Das funktioniert schon ab 129,99 Euro mit fünf schnellen Umstiegen in Frankfurt, Leipzig, Dresden, Görlitz und Breslau. Nach 13 Stunden und 19 Minuten ist er da, was bei der Bahn sicherlich reibungslos funktioniert. Stellt sich nur die Frage, was das Unternehmen unter „einfache Fahrt“ versteht. Alternative wäre vielleicht der Weg mit der 63 zur Oppelner Straße in Tannenbusch und vor Ort eine Teams-Konferenz mit den Freunden in Polen. Kostet nur 3,50 Euro. Eine einfache Fahrt, die hält, was sie verspricht.