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Kommentar: #allesdichtmachen-Kampagne ist Querdenker-Propaganda

Kommentar zu „#allesdichtmachen“ : Diese Kampagne ist kostenlose Querdenker-Propaganda

Schauspieler sorgen aktuell im Internet unter dem Hashtag #allesdichtmachen für Aufsehen. Sie greifen in sarkastischen Videoclips die Corona-Maßnahmen an. Ein offenbar von längerer Hand vorbereiteter Coup, fragwürdig in Inhalt, Stil und Timing, kommentiert Bernhard Hartmann.

Nur wenige Stunden bevor das neue Bundesinfektionsschutzgesetz in Kraft getreten ist, haben 53 prominente deutsche Schauspielerinnen und Schauspieler das Netz mit der fragwürdigen Kampagne „#allesdichtmachen“ überflutet. Ein offenbar von längerer Hand vorbereiteter Coup, fragwürdig in Inhalt, Stil und Timing und mit gefährlichem gesellschaftlichem Spaltpotenzial. In kurzen Videos geben sie Statements ab, in denen sie in sarkastischem Ton die Maßnahmen der Regierung und die Rolle der Medien und der Wissenschaft loben. Jan-Josef Liefers etwa bedankt sich bei den Medien, die dafür Sorge trügen, „dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört. Nämlich ganz oben“.

Liefers und seine 52 Kolleginnen und Kollegen folgen in einer bemerkenswerten Uniformität dem Drehbuch der „Schwarzen Wahrheit“, die sich in der Querdenker-Szene großer Beliebtheit erfreut. Urheber ist der Mitherausgeber des Online-Magazin „Multipolar“, Stefan Korinth, der die Proteststrategie bereits im vergangenen September so beschrieb: „Um in der großen Breite wirksam zu werden, dürfen die Proteste nicht die Maßnahmen kritisieren – das ist es, was alle erwarten –, sondern sie müssen die Maßnahmen ekstatisch bejahen.“ Das Magazin bejubelt jetzt die Videos als gelungene Aktion im Sinne der „Schwarzen Wahrheit“ und hat sie bereits verlinkt und transkribiert.

Zwar hat Liefers eine „da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern“ zurückgewiesen. Doch die haben ihn längst so fest in ihre Arme geschlossen, dass er sich nicht mehr herauswinden kann, und bedanken sich für 53 kostenlose Propagandavideos, die nicht mehr aus dem Netz verschwinden werden. Auch in den Reihen der AfD ist die Freude groß.

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