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Kommentar: Auch die G7 stehen im Kampf gegen Corona hilflos da

Kommentar zu G7 und Corona : Bitter-süße Medizin

Die Gruppe der sieben größten westlichen Industrienationen (G7) hat sehr viel Geld und jede Menge wirtschaftliche Kraft. Und doch stehen auch sie im Kampf gegen dieses neuartige Virus einigermaßen hilflos da.

Dieses Virus greift die ganze Welt an. Große Staaten, kleine Staaten. Reiche Länder, arme Länder. Kriegs- und Konfliktgebiete. Militärbündnisse, internationale Freihandelszonen. Corona unterscheidet nicht, es stört sich nicht an Grenzen, es schert sich nicht um Feiertage, nicht um Kirchenfeste, nicht um Volksfeste, nicht um große Sportereignisse. Es ist da. Und es hat uns im Griff.

Die Gruppe der sieben größten westlichen Industrienationen (G7) hat sehr viel Geld und jede Menge wirtschaftliche Kraft. Und doch stehen auch sie im Kampf gegen dieses neuartige Virus einigermaßen hilflos da, ebenso Russland, das sich vor Jahren mit dem Raub der zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim aus dem exklusiven Kreis der  G8 katapultiert hatte. Doch die G7 plus Russland dürfte die Frage interessieren: Hätte China die Pandemie durch eine rechtzeitige Warnung an die Welt stoppen können? Womöglich wären einem großen Teil der Weltbevölkerung Angst, Not, Krankheit, Leid, Tod und massive Einschränkungen erspart geblieben.

Jetzt suchen die G7 nach einem Weg, die Ausbreitung von Covid-19 so gut es geht einzudämmen. Das geht nur mit maximaler Transparenz und auch mit Solidarität. Doch mit Transparenz und Solidarität ist das so eine Sache, solange die Weltmacht USA sich ihre Infektionsbilanzen schön rechnet, weil sie bis heute viel zu wenig getestet hat, um das wahre Ausmaß einigermaßen korrekt zu erfassen. Und Solidarität? Die USA haben keine Skrupel, Schutzausrüstung von Verbündeten wie etwa Deutschland, die diese bestellt und auch schon bezahlt haben, im Preis zu überbieten und die Lieferung noch am Flughafen in die Vereinigten Staaten umzuleiten. Einfach unglaublich. Das ist modernes Raubrittertum. Bad deal!

Aber Schuldzuweisungen befreien weder die Welt noch die medizinisch an sich gut gerüsteten G7-Staaten vom Coronavirus. Italien hat es aus dem Klub der großen westlichen Industrienationen am härtesten getroffen und braucht Beistand. Die Pandemie muss gestoppt werden. Das geht alle an. Das geht nicht gegeneinander, auch nicht nebeneinander. Es geht nur gemeinsam. Zuletzt waren die G7 – auch wegen der (Ver)weigerung Trumps, gemeinsame Gipfelerklärungen mitzutragen – in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise geschlittert. Vielleicht führt ausgerechnet eine Pandemie, der Kampf gegen Corona, die G7 neu zusammen. Es wäre zu schön. Eine bitter-süße Medizin.