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Kommentar: Formel 1 bietet eine neue Chance für den Nürburgring

Kommentar zum Nürburgring : Die Formel 1 bietet eine neue Chance für den Nürburgring

Durch die Corona-Pandemie besinnt sich die Formel 1 auf den Traditionskurs in der Eifel zurück. Beide Seiten können von einem Rennen profitieren, meint unser Autor.

Es sind schon verrückte Zeiten. Die Liste wäre lang, wenn man aufzählen müsste, was die Corona-Pandemie alles unmöglich machte. Jetzt scheint sie etwas möglich zu machen, womit so keiner gerechnet hatte: Die Formel 1 könnte an den Nürburgring zurückkehren. Plötzlich erinnern sich die Betreiber der Rennserie an ihre alte Partnerin in der Eifel, die über zwei Jahrzehnte alles möglich machte für die Königsklasse, sich Jahr für Jahr mit neuen Investitionen in Schale warf, im großen Stil modernisierte und ganz nebenbei, vom Größenwahn befallen, mit Steuergeldern viel Geld in den Sand setzte. Erlebniswelt, Eifeldorf oder Ringracer lassen grüßen – Millionengräber.

Dafür kann die Formel 1 freilich nichts. Doch wenn es ums Sportliche geht, hat man die legendäre Rennstrecke an der Nürburg für das, was sie geleistet hat, ziemlich mies behandelt. Als sich die horrenden Antrittsgelder für sie nicht mehr rechneten, wurde sie von Ecclestone und Co. sitzen gelassen wie eine Braut ohne Mitgift. Bei den ausländischen Nebenbuhlerinnen ließen sich die Taschen leichter vollmachen.

Um Geld geht es auch jetzt, denn der alten Liebe wegen kommt der jetzige Formel-1-Eigner Liberty nicht zurück. Es ist vielmehr die Not, die Saison noch aufwerten zu wollen und den Corona-Schaden in Grenzen zu halten. Und da ist der Nürburgring eine gute Adresse. Die Grand-Prix-Strecke und alles, was dazugehört, sind technisch auf dem neuesten Stand. Und es besteht durchaus die Hoffnung auf ein Rennen mit Zuschauern. Was diesen Punkt anbelangt, sind die Corona-Regeln von Rheinland-Pfalz schon jetzt etwas lockerer als in der restlichen Republik. Bis Oktober könnte sich die Situation noch deutlich verbessern. Welche Hygienekonzepte dann auch immer gelten werden, das weitläufige Gelände rund um den Traditionskurs wird ihre Umsetzung erleichtern. Die Aussicht der Organisatoren, kein seelenloses Geisterrennen präsentieren zu müssen, wird den Traditionskurs also zusätzlich attraktiv machen.

Doch so leicht wie in der Vergangenheit werden sich die inzwischen privaten Streckenbetreiber diesmal nicht ködern lassen. Sie rechnen mit spitzem Bleistift und werden keinen Deal eingehen, der nicht auch ihnen Geld einbringt. Aber vielleicht ist das ja eine neue Chance und Grundlage für eine Geschäftsbeziehung, die auf Dauer wieder zusammenbringt, was zusammengehört: den Nürburgring und die Formel 1.