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Kommentar: Kaufhausrettung in Bonn einziger Rettungsanker

Kommentar zur Kaufhausrettung in Bonn : Einziger Rettungsanker

Die Stadt Bonn will Karstadt mit der Miete entgegenkommen. Doch finanziert sie damit möglicherweise ein kränkelndes Geschäftsmodell. Ein Kommentar.

Es ist für Rat und Verwaltung eine vertrackte Situation: Einerseits ist es richtig, dass die Stadt Bonn und die Aachener Grundvermögen sich auf einen Weg geeinigt haben, der es ermöglicht, dem Karstadt-Konzern ein mehr als attraktives Mietangebot für die Immobile in bester Lage Bonns anzubieten und somit eventuell den Fortbestand der Filiale zu erreichen.

Schließlich bangen mehr als 100 Menschen im Bonner Karstadthaus um ihre Arbeitsplätze. Viele von ihnen sind schon Jahrzehnte dort beschäftigt und dürften es nicht zuletzt wegen des Alters und auch wegen der Corona-Krise schwer haben, im Handel eine neue Beschäftigung zu finden.

Obendrein schwebt über der Stadt das Damoklesschwert eines leerstehenden mehrgeschossigen Geschäftsgebäudes mitten in der Fußgängerzone. Man mag sich nicht ausmalen, was ein solcher Leerstand für Folgen haben könnte. Also, alles starke Argumente für das Entgegenkommen seitens Stadt Bonn und Aachener Grundvermögen.

Anderseits kann man die Bedenken und Bauchschmerzen, die einige Politiker dabei haben, nachvollziehen. Schließlich stand es um die Warenhäuser von Galeria Karstadt Kaufhof schon vor der Corona-Krise nicht zum Besten, fürchteten Kommunen in Deutschland schon lange die Schließung der einen oder anderen Filialen.

Die Kritik von FDP-Fraktionschef Werner Hümmrich, die Stadt subventioniere womöglich ein kränkelndes Geschäftsmodell, ist nicht von der Hand zu weisen.

Und trotzdem: Die Pachtzinssenkung im Zusammenhang mit dem Mietminderungs-Angebot der Aachener Grundvermögen ist der einzige Rettungsanker, den eine Kommune wie Bonn werfen kann. Ob er am Ende die Filiale tatsächlich rettet, bleibt abzuwarten. Die Hoffnung stirbt auch hier zuletzt.