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Kommentar: Rückkehr zu Glück auf! beim FC Schalke 04

Kommentar zu Clemens Tönnies : Rückkehr zu Glück auf!

Der Rücktritt von Clemens Tönnies als Aufsichtsratschef beim FC Schalke 04 war längst überfällig – und gibt dem Club eine Chance zum Neuanfang, meint unser Autor.

Die Ära Clemens Tönnies auf Schalke ist zu Ende. Nach fast 19 Jahren als Aufsichtsratschef ist der mächtige Fleischfabrikant beim Fußball-Bundesligisten zurückgetreten. Endlich, werden viele Fans jubeln. Denn eigentlich war der starke Mann aus Rheda schon lange nicht mehr tragbar.

 Die Liste seiner Verfehlungen ist lang. Bereits mit seiner von vielen als rassistisch empfundenen Rede über die Bekämpfung der Überbevölkerung in Afrika hatte sich Tönnies vor einem Jahr ins moralische Abseits manövriert. Dass der Ehrenrat ihn mit einem „Das-darfst-du-aber-nicht“ und kurzer Ruhepause davonkommen ließ, stieß bei den Fans auf Unmut und Unverständnis.

Der massive Corona-Ausbruch und die schlimmen Arbeitsbedingungen in seiner Fleischfabrik brachte die königsblauen Anhänger dann endgültig auf die Barrikaden. Die Beantragung einer Landesbürgschaft, um die hohen, unter Tönnies’ jahrelanger Misswirtschaft angehäuften Schalker Schulden aufzufangen, ist nun wohl der letzte Sargnagel gewesen.

Für Schalke ist der Abtritt des Patriarchen aber nicht nur eine Erlösung, sondern vor allem eine große Chance zum Neuanfang. Statt der übertriebenen Champions-League-Fantasien, die sich der Club mit viel zu hohem Kostenaufwand erfüllen wollte, können die Ziele unter einer neuen Führung wieder realitätsnäher formuliert werden.

Mit der Einführung einer Gehaltsobergrenze für die Spieler ist schon ein erster, richtiger Schritt in Richtung finanzieller Konsolidierung gemacht worden. Nun gilt es, sich auch auf die Werte dieses speziellen Traditionsclubs und dessen Arbeitermentalität zurückzubesinnen. Nur so können die Fans wieder gebunden werden, die sich von in der Marketing-Abteilung kreierten, sterilen Slogans wie „Wir leben dich“ seit Jahren abgestoßen fühlen.

Es bleibt zu hoffen, dass Tönnies’ Nachfolger dessen Fehler erkennt und nicht wiederholt. Damit es auf Schalke wieder heißen kann: Glück auf!