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Kommentar zu den Protesten der Fußballer: Ein starkes Zeichen

Kommentar zu den Spielerprotesten : Ein starkes Zeichen

Der DFB-Kontrollausschuss hat angekündigt, den von einigen Bundesliga-Profis am Wochenende geäußerten Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt prüfen zu wollen. Unser Autor meint: Der Verband sollte die Spieler unterstützen - auch, um mit seinen Initiativen gegen Rassismus glaubwürdig zu bleiben.

Die zerfetzte „Ground-Zero-Flag“ des World Trade Centers bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City 2002, der Black-Power-Protest in Mexiko 1968 oder der Kniefall von NFL-Quarterback Colin Kaepernick 2016 – es gibt zahlreiche Beispiele, dass Sport und Politik eben nicht trennbar sind. Nicht so trennbar, wie es von Sportfunktionären oft gewünscht und kolportiert wird.

Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben einen entsprechenden Passus in ihren Statuten stehen. „Politische und/oder andere Mitteilungen auf den Ausrüstungsgegenständen sind keinesfalls erlaubt“, heißt es im DFL-Regelwerk. Gegen diesen Passus haben unter anderem Schalkes Weston McKennie sowie die beiden Dortmunder Jadon Sancho und Achraf Hakimi an diesem Spieltag verstoßen. Sie und andere Profis demonstrierten gegen den gewaltsamen Tod des US-Bürgers George Floyd in Minneapolis, der bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam.

Dass es dieses Protestes im Jahr 2020 überhaupt noch bedarf, ist nicht in Worte zu fassen. Dass es ein richtiges und wichtiges Zeichen der Profis ist, dagegen schon. Sie nutzen ihre Plattform, ihr Dasein als Personen des öffentlichen Lebens, um auf diesen unfassbaren Missstand hinzuweisen. Der DFB-Kontrollausschuss hat angekündigt, sich der „Angelegenheit“ annehmen und den Sachverhalt prüfen zu wollen. Jener Verband, der Nationalspieler Gelübde gegen Fremdenhass vorlesen lässt und Werbekampagnen mit dem Slogan „Zeig’ Rassismus die Rote Karte“ lanciert.

Vor sechs Jahren beließ es der DFB bei einer Ermahnung, als Anthony Ujah im Dienste des 1. FC Köln mit einer ähnlichen Geste Aufmerksamkeit erzielte. Selbst diese „milde“ Strafe ist deutlich zu hoch. Der DFB sollte die Chance nutzen, sich zu positionieren, Farbe zu bekennen, die Profis zu unterstützen. Nicht nur um die eigene Glaubwürdigkeit im Kampf gegen Rassismus zu untermauern, vielmehr um ein starkes Zeichen zu setzen. So wie man es von dem größten nationalen Sportverband Deutschlands erwarten müsste.