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Kommentar zu Kunst im Raum

Kommentar zur Stiftung Kunst und Kultur : Die „Walking Bag“ nicht zerreden

Das nächste Werk, das die Stiftung Kunst und Kultur in Bonn aufstellen will, löst (wieder) eine Diskussion aus. Das ist auch gut so, meint GA-Redakteurin Lisa Inhoffen.

Ist das Kunst oder kann das weg? Diese Frage hat Kultstatus, und dass man sie wohl nie eindeutig mit Ja oder Nein beantworten kann, liegt auf der Hand.  Kunst liegt immer im Auge des Betrachters: Davon erzählen kuriose Geschichten. So soll eine Putzfrau im Museum einst das Kunstwerk „Fettfleck“ von Joseph Beuys einfach weggeputzt haben.

 Dieses Schicksal droht den Kunstwerken, die die Stiftung für Kunst und Kultur bisher im öffentlichen Raum der Stadt Bonn realisiert hat, eher nicht. Aber auch sie sind Vandalismus ausgesetzt, das lässt sich leider nicht verhindern.  An  Stephan Balkenhols  „Hommage an August Macke“ hatten sich bekanntlich Unbekannte bereits zu schaffen gemacht und der Figur das Zeichen einer Sportfirma aufgemalt.

Somit ist es umso mehr zu schätzen, dass die Stiftung das nunmehr fünfte Kunstwerk, die „Walking Bag“ des renommierten Künstlers Erwin Wurm, im öffentlichen Raum Bonns umsetzen will. Was die Stadt übrigens keinen Cent kosten soll. Die Skulptur wird, das hat allein schon am Dienstagabend die kontroverse und dennoch konstruktive Debatte in der Bezirksvertretung Bonn gezeigt,  bei den Bürgern ganz gewiss Diskussionen anstoßen. Dem einen wird sie gefallen, dem anderen nicht, jedenfalls werden die Leute, wenn sie vor der Skulptur stehen, diskutieren und miteinander ins Gespräch kommen – so wie man es zum Beispiel oft bei Tony Craggs „Mean Average“ auf dem Remigiusplatz beobachten kann. Schon deswegen ist Kunst, vor allem öffentlich zugängliche Kunst,  so wichtig.

Das ist ja auch einer der Beweggründe der Stiftung, Kunst im öffentlichen Raum zu realisieren, wie ihr Vorsitzender Walter Smerling zuletzt in einem Gastbeitrag im GA deutlich gemacht hat. Kunst im öffentlichen Raum ist Kunst für alle, hat er geschrieben, damit könne man Diskussionen anstoßen und gesellschaftliches Engagement zeigen, ja, Mitgestalter am Ganzen sein. Recht hat er. Gleichzeitig hat er beklagt, in Bonn würden Kulturprojekte zerredet,  im Großen wie im Kleinen, und dabei als mahnendes Beispiel die geplatzten Pläne für ein Beethoven-Festspielhaus angeführt.

„Walking Bag“ wäre fast an der Standortfrage gescheitert. Wobei man kaum verstehen kann, warum der Friedensplatz weniger geeignet sein soll als der nun gewählte Platz. Auch dieses Beispiel dürfte Wasser auf die  Mühlen von Smerling sein.