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Kommentar zu Seehofer und der taz: Warum nicht gleich so?

Kommentar zu Seehofer und der taz : Warum nicht gleich so?

Ganz gleich wie beleidigend und in der Tendenz menschenverachtend der Anti-Polizei-Text in der taz ist: Diskussionen um den Inhalt solcher Kolumnen führt ein Politiker besser anders.

Horst Seehofer ist ein Politikprofi mit sehr langer Erfahrung. Er muss sich schon sehr über die Kolumne in der taz geärgert haben, wenn er offenbar aus dem Bauch heraus ankündigte, die Autorin verklagen zu wollen. Das sollte wohl ein deutliches Signal an alle Polizisten sein und sie in Schutz nehmen.

Ganz gleich wie beleidigend und in der Tendenz menschenverachtend dieser Text ist: Seehofer weiß eigentlich, dass solche Klagen zu gar nichts führen, außer einem Reflex vieler anderer, sich vor die angegriffene Autorin zu stellen. Pressefreiheit ist eben ein hohes Gut und der Angriff eines Politikers auf eine Redaktion berührt eine grundsätzliche Frage.

Diskussionen um den Inhalt solcher Kolumnen führt ein Politiker besser anders. Zum Beispiel direkt mit den verantwortlichen Redakteuren, noch besser mit der Autorin selbst. Der wäre nahezulegen, einmal selbst mit den Polizisten zu reden, die sie in die Nähe von Müll gerückt hat. Seehofer hätte von Anfang an auf diesen Gedanken kommen müssen.

Jetzt hat die Chefredaktion der taz die Gelegenheit, einmal allen zu erklären, wie sie es mit der Menschenwürde von Polizisten hält, wenn sie doch sonst gerne den hohen moralischen Ton pfeift. Der Presserat wird sich noch zusätzlich mit dem Thema beschäftigen und er ist fraglos die richtige Adresse für  Verstöße gegen Regeln publizistischer Fairness. Niemand muss Beleidigungen ganzer Berufsgruppen hinnehmen. Mehr Ehre verdient die Autorin dann auch schon nicht.

Insgesamt wäre es gut, wenn alle Seiten ein wenig abrüsteten. Wer gegen Rassismus eintritt, sollte nicht verbal auf andere Guppen einschlagen. Sonst macht er sich unglaubwürdig. Drohungen, Beleidigungen, Hass und Häme passen schlecht zum Streit unter Demokraten.