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Kommentar zum Urlaub in Corona-Zeiten: Ohne Schrecken

Kommentar zum Urlaub in Corona-Zeiten : Ohne Schrecken

Corona-Ausbrüche sollen gezielter als bisher bekämpft werden: mit einem sehr begrenzten Ein- und Ausreiseverbot. Das sind für unsere Korrespondentin Kristina Dunz die Lehren aus Gütersloh.

Urlaub kann stressen, zumindest die Regierungen von Bund und Ländern in Corona-Zeiten. Denn das ungebremste Fernweh, die Reiselust und -sehnsucht der Deutschen trotz Pandemie bergen zweierlei Gefahr: Infizierte transportieren neben der Badehose auch das Virus in ihren Urlaubsort oder schleppen es umgekehrt auf der Rücktour in die Heimat mit ein.

In der schönsten Zeit des Jahres fällt die Anspannung ab. Wird schon gutgehen, Spaß muss sein, lautet oftmals die Feriendevise. In ihrer egoistischen und unbelehrbaren Ausprägung war das bei deutschen Partymachern auf Mallorca zu finden. Zum Fremdschämen.

Aber auch das führt dazu, dass die Politik alles bis ins kleinste Detail regeln muss. Sie muss ihre Bürger schützen und auch Bürger vor sich selber schützen. Eine Ausbreitung über Urlaubsorte wie zu Beginn der Pandemie muss verhindert werden, und dafür muss es eine Richtschnur geben.

Die Chefs der Staatskanzleien haben nun mit Kanzleramtschef Helge Braun beschlossen, Corona-Ausbrüche gezielter als bisher zu bekämpfen und zwar mit einem sehr begrenzten Ein- und Ausreiseverbot. Das sind Lehren aus Gütersloh. Künftig müssen nicht mehr alle Bewohner eines Landkreises darunter leiden, wenn es einen einzelnen Hotspot gibt. Die Maßnahmen sollen sich auf die „tatsächlich betroffenen Bereiche oder kommunalen Untergliederungen“ beschränken. Ein überzeugendes Vorgehen, das angesichts der vergleichsweise niedrigen Zahl der Neuinfektionen in Deutschland auch aufgehen könnte. Dass diese niedrige Schwelle überhaupt möglich ist, ist all jenen zu verdanken, deren umsichtiges Verhalten die Pandemie eingegrenzt hat.

Bund und Länder versprechen nun, betroffenen Regionen mit zusätzlichen Testkapazitäten zu helfen, damit schnell klar ist, wie viele Bewohner infiziert sind – und die Dauer der Kontaktsperren so kurz wie möglich ist. Dieses Versprechen muss dann aber auch unbürokratisch eingelöst werden. Denn auch das ist eine Lehre aus Gütersloh: Die langen Schlangen, das lange Warten auf einen Test haben die Bevölkerung unnötig verunsichert und belastet. Auch das sollte sich tunlichst nicht wiederholen.

Helge Braun, gelernter Anästhesist, hat es gut formuliert – und wird daran gemessen werden: Die Beschränkungen sollen „ein Stück ihres Schreckens verlieren“. Damit wäre viel gewonnen: Wir leben mit der Pandemie, aber nicht in Angst.