Kommentar zur CDU : Merkels Erbe in Gefahr

Es wird eine erneute Kampfkandidatur um den CDU-Vorsitz geben. Damit waren alle Bemühungen der scheidenden Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer erfolglos, kommentiert unsere Autorin Kristina Dunz.

Alle Bemühungen der scheidenden CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer waren erfolglos, eine erneute Kampfkandidatur um den Parteivorsitz zu verhindern. Neben Norbert Röttgen wird auch Friedrich Merz antreten. Damit kann Armin Laschet kaum noch auf eine Kandidatur verzichten.

Denn das Lager der Mitte der in der Partei und im Land weiterhin beliebten Kanzlerin Angela Merkel vertritt niemand so eindeutig wie der Ministerpräsident aus NRW. Die Partei braucht zusätzlich einen, der zumindest darum kämpft, ihr politisches Erbe zu verteidigen und weiterzuentwickeln. Wahlen werden in der Mitte gewonnen. Das hat die Bürgerschaftswahl in Hamburg gerade erst wieder unter Beweis gestellt.

Es wirkte wie ein süffisanter Hinweis Kramp-Karrenbauers, dass alle potenziellen Kandidaten in den Gesprächen mit ihr versichert hätten, „jedwedes“ Ergebnis des Sonderparteitags anzuerkennen und sich danach sichtbar in die Parteiarbeit einzubringen. Das bedeutet: Sollte Merz erneut unterliegen, müsste er in der zweiten Reihe weiter mitmachen. Geprägt von seiner Arbeit in der Wirtschaft etwa als Aufsichtsratsvorsitzender und seit vielen Jahren ohne Parteiamt, ist er eine solche Rolle aber gar nicht gewöhnt. Bisher hat das nicht funktioniert.

Auch daran ist Kramp-Karrenbauer gescheitert. Obwohl sie den Merz-Unterstützern die Hand reichte, wofür sie Rückhalt in der Mitte der CDU einbüßte, wurde ihre Autorität infrage gestellt. Sie ist zwar zur Parteichefin gewählt worden – aber dass dann übliche erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur wurde ihr streitig gemacht.

Merz könnte bei einer Niederlage aber endgültig in den Ruhestand gehen. Röttgen könnte sich trotz einer Schlappe weiter nach oben kämpfen. Etwa wieder auf einen Kabinettsposten. Jens Spahn und Laschet aber haben etwas zu verlieren. Eine zweite Schlappe innerhalb von zwei Jahren würde Spahn als Verlierer brandmarken. Und Laschet wäre bei einem Nein der Delegierten als Vorsitzender des größten Landesverbandes und Ministerpräsident beschädigt.

Bleibt noch die CSU. Sie wird es nicht so einfach akzeptieren, dass der nächste CDU-Chef automatisch Kanzlerkandidat wird. Von CSU-Chef Söder heißt es, dass er selbst antreten wollte, würde Merz Vorsitzender der Schwesterpartei und nach der Kanzlerkandidatur greifen. Alles in allem eine Phase für die Union, die nach Spaltung und nicht nach Zusammenhalt aussieht.