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Kommentar zur Frauenquote in der CDU: Letzte Gelegenheit

Kommentar zur Frauenquote in der CDU : Letzte Gelegenheit

Lauter Beifall aus den Parteigremien war nicht zu vernehmen, als die scheidende CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ankündigte, eine Frauenquote für die Christdemokraten anzuführen. Die CDU ist definitiv spät dran, kommentiert GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Die Grünen haben schon lange eine Frauenquote, die SPD auch. In der CDU hat es immer wieder Anläufe gegeben. Letztlich sind sie alle gescheitert. Die politische Kultur der CDU ist weit entfernt von solchen Gedanken. Das hat die Partei nicht gehindert, Frauen in Spitzenämter zu wählen.

Doch dieses Bild täuscht, denn unterhalb der Parteispitze sieht die Welt anders aus. Die CDU hat erkennbar Probleme, junge Frauen zu erreichen. Selbst auf dem Lande schafft sie das nicht mehr. Ihr Familien- und Frauenbild hat mit der gesellschaftlichen Entwicklung nicht Schritt gehalten. Die Männer dominieren so wie schon immer. Auch in den Reihen der Jungen Union sind die Frauen knapp und es dominieren die Männer. Es würde also immer so weitergehen. Da liegt es nahe, mit einer Quote die Beteiligungsmöglichkeiten von Frauen zu verbessern. Für die CDU geht es dabei um eine zentrale Zukunftsfrage. Ohne die Frauen wird sie den Anschluss verlieren.

Ob da die Quote nun hilft? Sie passt nur schwer zur DNA der CDU, die sich als Volkspartei versteht und daher vorsichtig mit Quotierungen sein muss. Doch Kramp-Karrenbauer dürfte eine letzte Gelegenheit nutzen wollen: Angela Merkel ist für Quoten, doch sie tritt demnächst ab. Genauso wie AKK selbst. Es waren immer starke Frauen, die der CDU notwendige Veränderungen abgetrotzt haben – oft gegen den Widerstand der Männer. Eine Quote wäre ein erster Schritt, die Partei für Frauen zu öffnen, immerhin die Hälfte dieses Landes. Die CDU sollte ihn gehen.