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Kommentar zur Jugendstudie 2020: Jugendliche sind ganz zufrieden

Kommentar zur Jugendstudie 2020 : Ganz zufrieden

Die Jugendstudie gibt alle vier Jahre Aufschluss darüber, wie es der jungen Bevölkerung aktuell geht. Doch wirklich repräsentativ ist sie nicht, meint unser Autor. Für belastbar hält er nur die Aussage, dass niemand „wirklich unzufrieden“ sei.

Jugendliche sind ernsthafter und besorgter als früher. Feiern gehen und Spaßkultur verlieren an Bedeutung, statt dessen ist den Teenagern wichtiger, mehr Zeit für sich selbst zu haben. Viele streben ein bürgerliches Leben in der Mitte der Gesellschaft an. Status, beruflicher Erfolg und ein sozialer Aufstieg  verlieren an Bedeutung für junge Menschen. So jedenfalls interpretieren die Verfasser der Jugendstudie 2020 die Ergebnisse. Die Erhebung erscheint alle vier Jahre und will abbilden, was 14- bis 17-Jährigen  im Leben wichtig ist.

Doch die Studie hat Schwächen. Sie ist das Ergebnis einiger Dutzend Befragungen. Sie ist nicht repräsentativ und offenbart die Ansichten einiger weniger. Immerhin. Vielleicht haben die Befrager mehr aus den Teenagern herausgekitzelt, als die jungen Leute gemeinhin in diesem Alter etwa gegenüber ihren Eltern preisgeben. Doch allgemeingültige Aussagen aus den Befragungen zu treffen, ist schlicht nicht möglich. Einzig vielleicht die These „Niemand ist wirklich unzufrieden, aber auch wenige wirklich enthusiastisch“.

Doch auch, wenn die Ergebnisse der Jugendstudie sich nicht verallgemeinern lassen – manche Aussagen machen Erziehungsberechtigten Mut, nicht völlig versagt zu haben. Die Grundbefindlichkeit der jungen Menschen sei ernst und problembewusst, meint Studienleiter Marc Calmbach. Das gelte allgemein, aber in der Corona-Krise ganz besonders.

Das klingt geradezu hoffnungsvoll, auch, wenn die Bilder von wilden Corona-Partys in Parks und auf Plätzen etwas anderes erzählen. Vielleicht sind es auch ältere Jugendliche, denen man dieses Verantwortungsbewusstsein manchmal  absprechen möchte. Wohlgemerkt einigen. Manchmal. Auch das lässt sich nicht verallgemeinern.