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Kommentar zur Karstadt-Schließung in Bonn: Über alle Köpfe hinweg

Kommentar zur Karstadt-Schließung : Über alle Köpfe hinweg

Der Rettungsversuch für die Karstadt-Filiale in Bonn war vergebens. Dass weder die Stadt Bonn noch die Vermieterin des Gebäudes über die Fortsetzung der Karstadt-Schließung informiert wurden, ist ein unerhörtes Verhalten unter Geschäftspartnern, kommentiert unsere Autorin.

So etwas nennt man eiskaltes Geschäftsgebaren: Quasi über alle Köpfe hinweg, die sich in den vergangenen Wochen für den Erhalt der Karstadt-Filiale in Bonn stark gemacht haben, setzt der Karstadt-Galeria-Kaufhof-Konzern offensichtlich seinen Weg zur Schließung des Warenhauses an der Poststraße fort. Weder die Stadt Bonn noch die Vermieterin des Gebäudes waren nach eigenen Angaben über diesen Schritt in Kenntnis gesetzt worden.

Ein Verhalten unter Geschäftspartnern, das man – gelinde gesagt – nur als unerhört bezeichnen kann. Ebenso fühlen sich die Mitarbeiter, von denen viele Karstadt schon jahrelang die Treue halten, übergangen, als zählten sie nichts, wie Betriebsrätin Therese Thrun verbittert schildert. So geht man nicht mit Menschen um.

Auf einem anderen Blatt geschrieben steht die Frage, wie realistisch das Ansinnen war, die Karstadt-Filiale neben Galeria Kaufhof erhalten zu können. Handelsexperten haben dem Rettungsversuch kaum eine Chance gegeben. Denn nicht erst seit Corona steckt der Konzern tief in der Krise. Und Hand aufs Herz: Wie oft besuchen vor allem die jüngeren Kunden noch ein Warenhaus im Stile Karstadts?

Hinzu kommt der Online-Handel, der den Standortläden das Leben schwer macht. Jetzt, wo die Schließung offensichtlich nicht mehr abzuwenden ist, müssen alle Verantwortlichen ihre Kräfte darauf verwenden, dass es an der Poststraße in dem mehrgeschossigen Gebäude nicht zu einem langen Leerstand kommt. Das wäre fatal für die Bonner Innenstadt.