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Kommentar zur Verteidigungsministerin und der Bundeswehr: Mit Risiko

Kommentar zur Verteidigungsministerin und der Bundeswehr : Kommando mit Risiko

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sammelt weiter Erfahrung für eine mögliche nächste Amtszeit nach der Wahl. Doch die Truppe macht Probleme, es fehlt Munition. Ausgang offen, kommentiert unser Autor.

Eine offene Flanke kann kein Minister brauchen. Im eigenen Haus nicht, auch nicht außerhalb, erst recht nicht als Verteidigungsministerin. Annegret Kramp-Karrenbauer hat in diesen Tagen die Ostflanke der Nato sowie osteuropäische Partnerstaaten besucht – Polen, Ungarn, Bulgarien, Slowakei und Tschechien. Vor allem Polen mit seiner Grenze zu Weißrussland und zum russischen Kaliningrad sehnt sich nach alliiertem Beistand. Die baltischen Staaten und Polen fürchten Russlands aggressive Politik und Wladimir Putins möglichen weiteren Hunger nach Land, den der zarengleiche Präsident mit dem Raub der Halbinsel Krim schon bewiesen hat.

Kramp-Karrenbauer sammelt mit ihrer Reise zu Nato-Partnern in Mittel- und Osteuropa weiter Erfahrung für eine mögliche nächste Amtszeit nach der Wahl. Ein Jahr ist Kramp-Karrenbauer jetzt Bundesministerin der Verteidigung, der vermutlich unkalkulierbarste Posten, den ein(e) Bundeskanzler(in) im Kabinett zu vergeben haben. Allein die völlig unüberschaubaren  Rüstungsgroßprojekte haben noch beinahe jeden Verteidigungsminister in Schwierigkeiten gebracht. Der Posten ist ein Schleudersitz. Das Verteidigungsministerium kann seine Amtsinhaber aber auch nach oben katapultieren, wenn man, wie Ursula von der Leyen, günstige Umstände erwischt.

Jetzt ist Kramp-Karrenbauer Frau über ein Kommando, das ihr Macht und Einfluss beschert. Man kann ein Kommando aber auch verlieren. Wenn Kramp-Karrenbauer für zusätzliche Auslandseinsätze plädiert und für Deutschland eine Rolle als weltweite „Gestaltungsmacht“ sieht, ist das schon ein Statement, allerdings auch eines mit Risiko. Im Zweifel müsste sie es auch militärisch unterfüttern können. Mit funktionierendem Großgerät – vom Lufttransport bis zum Kampfflugzeug und Panzer. Und sie braucht eine Truppe, die funktioniert.

In diesen Tagen legt ihr die Bundeswehr das nächste Problem auf den Tisch. Seit 2010 sind bei der Truppe 60.000 Schuss Munition abgängig, zusätzlich zu bereits vermissten 48.000 Schuss Munition beim skandalumwitterten Kommando Spezialkräfte sowie fehlender 62 Kilogramm Sprengstoff. In einer Organisation, in der es für jeden Schnürsenkel eine Vorschrift gibt, an sich ein Ding der Unmöglichkeit. Kramp-Karrenbauer bleibt Ministerin auf der Groß- und Dauerbaustelle Bundeswehr. Es regnet, Wasser läuft ein, Trocknungsgeräte funktionieren nicht. Sehr gefährlich für die Bauleitung.