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Kommentar: Konjunkturaussichten - Trügerische Ruhe

Kommentar : Konjunkturaussichten - Trügerische Ruhe

Die Stimmung in den Chefetagen vieler deutscher Firmen ist gut. Die Konjunktur wird im kommenden Jahr voraussichtlich an Fahrt gewinnen. In einigen Nachbarstaaten geht es aufwärts, wenn auch langsam und von teils erschreckend niedrigem Niveau aus.

Frankreich hofft ein Miniplus vorzuweisen, in Spanien sinkt die Zahl der Arbeitslosen knapp unter sechs (!) Millionen. Schuldenkrise? Davon ist kaum noch etwas zu hören.

Heute vor genau einem Jahr sagte EZB-Präsident Mario Draghi seine zwei historischen Sätze: "Die EZB wird alles was nötig ist tun, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein." Seitdem herrscht mehr oder weniger Ruhe; die Zinsen, die die Schuldenstaaten zur Finanzierung der Staatshaushalte zahlen müssen, sind teils deutlich gesunken.

Doch die Ruhe bleibt trügerisch. Gemessen an der Wirtschaftskraft der 17 Eurostaaten ist deren Gesamtverschuldungsquote auf einen historischen Höchststand von 92,2 Prozent geklettert. Früher oder später kocht das Thema wieder hoch; Griechenland, Spanien und auch Frankreich sind längst nicht aus dem Schneider.

In Asien kühlt das Wachstum ab. Chinas Regierung denkt bereits über ein Konjunkturprogramm nach. Die USA fallen schon länger als Konjunkturlokomotive aus.

Nicht alle Dax-Chefs sind deshalb so gut gelaunt, wie es der Ifo-Index glauben macht. BASF-Chef Kurt Bock warnte gestern, dass die Konjunktur weltweit unbeständig sei und es keine Aussicht auf Erholung gebe. Wer eins und eins zusammenzählt, kommt schnell zu dem Ergebnis, dass die Gefahr für Rückschläge groß ist.