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Kommentar zu Schwerbehinderten-Anträgen: Konsequent gehandelt

Kommentar zu Schwerbehinderten-Anträgen : Konsequent gehandelt

Zusätzliches Personal im Sozialamt hat den Antragsstau im Schwerbehindertenrecht substanziell abgebaut. So seien im März 12 Prozent mehr Erst- und 38 Prozent mehr Folgeanträge bearbeitet worden

Transparenz ist noch immer keine hervorstechende Eigenschaft öffentlicher Verwaltung. Das Staatsverständnis des 19. Jahrhunderts hat erstaunlich langlebige Spuren hinterlassen, obgleich Bürgerämter heute Dienstleistungszentrum heißen. Auch der Rechtfertigungsdruck für Verwaltungshandeln hält sich in Grenzen, weil Ross und Reiter bei Missständen oder Fehlern selten öffentlich ermittelt und noch seltener persönlich haftbar gemacht werden. Insofern verläuft vieles im Sande. Umso erstaunlicher, wie schnell die Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten die misslichen Umstände im Sozialamt angefasst hat. Nachdem dort jahrelang Unwissen und Mangel dominierten, wurden Stellen geschaffen, Sonderschichten gefahren und die Strukturen überdacht.

Sozialdezernentin Carolin Krause war offensichtlich nicht gewillt, diese Altlast ihrer Vorgänger weiter mit sich herumzuschleppen. Und der Stadtrat gab dafür zusätzliche Mittel frei. Nun scheint die Betreuung von Schwerbehinderten in Bonn auf einem guten Weg. Wenn der Elan anhält, wird die kommunale Verwaltung auch in diesem Bereich zu einem effizienten Dienstleister, der Betroffenen schnell und proaktiv zu ihrem Nachteilsausgleich verhilft. Im Namen der Antragsteller allen Beteiligten an dieser Stelle mal ein herzliches Dankeschön!

Der Fall zeigt, dass auch ein dicker Tanker wie die Stadt Bonn zu Wendemanövern in der Lage ist, wenn die Steuerleute auf der Brücke diese couragiert einleiten. Was man daraus lernen kann: Es lohnt sich, berechtigte Kritik anzubringen. Wer seinen Job in der Kommune ernst nimmt, der wird darüber nicht hinwegsehen, sondern Themen möglichst rasch abräumen, um selbst gar nicht erst in die Schusslinie zu geraten. Abwarten, vertagen und aussitzen sind hingegen Strategien, die beim Bürger wenige Sympathien auslösen. Das sollte jeder Wahlbeamte verinnerlichen, der gerne eine zweite Amtszeit möchte.