Kommentar Leipzig schützt seinen Revolutionsruf - Wir sind das Volk!

Leipzig hat etwas zu verteidigen. Einen Ruf. Aber nicht irgendeinen. Sondern einen, der erst Geschichte gemacht und anschließend auch geschrieben hat: "Wir sind das Volk!" Weil sich in jenen November-Tagen 1989 alles so perfekt gefügt hat für die Freiheitsbewegung in der DDR und speziell in ihrer Hochburg Leipzig, ist Deutschland wieder friedlich vereint.

Das Fenster der Geschichte war, wie 1991 der Putsch gegen den damaligen Staatspräsidenten der UdSSR, Michail Gorbatschow, gezeigt hat, nur kurz geöffnet. "Wir sind das Volk!" Darauf können die Leipziger und alle, die den Mut hatten, mit beträchtlichem persönlichen Risiko für Freiheit auf die Straße zu gehen, stolz sein. Sie sind das Volk.

Später, als mit Joseph Kardinal Ratzinger erstmals ein Deutscher Oberhaupt der katholischen Kirche wurde, lieh sich der Boulevard den Ruf der Revolutionäre aus dem deutschen Osten: "Wir sind Papst!" Da war Deutschland längst vereint und gemeint waren alle Deutschen - in Ost und West.

Die Stadt Leipzig will den Urheberanspruch an dem legendären Revolutionsruf nun verteidigen. 2002 hatte unter anderem der damalige OB Wolfgang Tiefensee den Ruf "Wir sind das Volk!" markenrechtlich schützen lassen - gegen einen Aufmarsch von Neonazis, die gleichfalls im Namen des Volkes für Demonstrationsfreiheit durch die Stadt ziehen wollten.

Zehn Jahre danach läuft dieser Schutz aus. Die Stadt Leipzig beantragt Verlängerung des Schutzes beim Deutschen Patent- und Markenamt. Richtig so! "Wir sind das Volk!", gilt grundsätzlich zwar für alle, aber die Urheber bleiben doch für immer Leipziger.

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