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Kommentar zu regionalen Lockerungen: Locker bleiben

Kommentar zu regionalen Lockerungen : Locker bleiben

Die Lockerungen in der Corona-Krise sind längst nicht mehr einheitlich. Regionale Unterschiede und widersprüchliche Regeln haben sich über ganz Deutschland verteilt. Das ist allerdings für niemand ein Nachteil, kommentiert GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen noch sehr viele Klagen über eine mangelhafte Einheitlichkeit, regionale Unterschiede und widersprüchliche Regeln bei der Lockerung von Maßnahmen gegen die Pandemie zu hören bekommen. Denn genau das ist die Strategie von Bund, Ländern und Kreisen. Sie schauen genau hin und öffnen dort Einrichtungen und Betriebe, wo es mit den Infektionszahlen weiter abwärts geht. Bayern muss strenger sein als Mecklenburg-Vorpommern, Köln strenger als Bonn.

Warum es in Deutschland um diese sinnvolle Regelung so viel Getöse gibt, ist kaum nachvollziehbar. Bisher ist das Land mit seinen regional differenzierten Vorgehen gut vorangekommen. Vor allem Familien leben in lokalen Umfeldern. Es ist für niemand ein Nachteil, wenn in Land A die Kitas und Spielplätze wieder öffnen, während in Kreis B noch abgewartet werden muss. Das Land nutzt die Möglichkeiten des Föderalismus und seiner funktionierenden kommunalen Struktur: Es wird gelockert, wo immer es geht. Das eröffnet vielen Menschen die Möglichkeit, ihr Geschäft zu öffnen, wieder Geld zu verdienen, ihre Kinder in die Schule zu schicken oder zu verreisen. Wenn auch nicht allen und überall. Die Risiken bleiben im Blick und führen zu regionalen Reaktionen. Dieses Prinzip nimmt eben nicht das ganze Land in Haftung, wenn einzelne Regionen noch mit Schwierigkeiten kämpfen, die es fraglos weiter geben wird.

Nur vor diesem Hintergrund ist es akzeptabel, die Fußball-Bundesliga wieder an den Start gehen zu lassen. Auch sie muss sich den Regeln einer kontrollierten und vorsichtigen Öffnung unterwerfen. Sie bekommt kein Sonderrecht zugebilligt. Heißt konkret: Wenn es nicht funktioniert, muss sie abbrechen.