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Kommentar zur Krankenversicherung für Beamte: Lohnendes Experiment

Kommentar zur Krankenversicherung für Beamte : Lohnendes Experiment

Beamte können sich auch in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) freiwillig versichern. Aber dafür entscheiden sich bisher nicht viele - aus guten Gründen, kommentiert GA-Redakteurin Ulla Thiede.

Die Beamten-Beihilfe ist immer wieder ein Zankapfel und gehört zu jeder (Neid-)Debatte über den Beamtenstatus. Weil der Staat als Arbeitgeber bei Beamten mindestens die Hälfte der anfallenden Krankenkosten übernimmt, müssen die Versicherten nur noch eine private Restversicherung abschließen, die den anderen Teil der ärztlichen Behandlungskosten übernimmt. Das ist für gut verdienende Singles ohne Kinder eine Win-Win-Situation, für die unteren Besoldungsgruppen, die eine kinderreiche Familie haben, rechnet sich das eher nicht.

Für letztere Gruppe ist das Hamburger Experiment inte­ressant, das Beamten unter bestimmten Umständen einen Arbeitgeberzuschuss zahlt, wenn sie Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind. Schon macht das Modell Schule. Voraussehbar ist aber, dass es zu einer völligen System­umstellung nicht kommen wird, auch wenn es Kritikern des dualen deutschen Krankenversicherungssystems gelegen käme.

An einem schleichenden Tod der PKV kann niemand Interesse haben. Denn die zusätzlichen Milliarden, die die Privatversicherten in das Gesundheitswesen fließen lassen, haben mit dazu beigetragen, dass Corona-Erkrankte hier besser versorgt werden konnten als andernorts. Positiv am Hamburger Modell ist, dass es den Wettbewerb zwischen GKV und PKV belebt, deren Versicherte zu 50 Prozent aus der Beamtenschaft kommen. So bietet die PKV jetzt Beamten einen Tarif unabhängig vom Gesundheitszustand an. Fortschritt ist auch so möglich.