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Kommentar zur abgesagten Corona-Demo: Mehr Gelassenheit

Kommentar zur abgesagten Corona-Demo : Mehr Gelassenheit

Die für Samstag geplante Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen darf nicht stattfinden. Das spielt den selbstgerechten Maskengegnern in die Karten. Vielleicht gäbe es aber auch Alternativen? Etwa eine Demo, die nicht durch die Innenstadt führt. Und mehr Gelassenheit, kommentiert Helge Matthiesen.

Das Demonstrationsverbot der Berliner Innenbehörde gegen die neuerliche Corona-Kundgebung am kommenden Woche ist sicherlich verständlich. Niemand lässt sich gerne als handlungsunfähig vorführen. Der Bruch der Abstands- und Hygieneregeln ist Teil des Konzepts der Veranstalter. Sachlich  ist der Absage durch die Behörde daher nichts entgegen zu halten. Polizisten und andere Ordnungskräfte geraten in Gefahr, wenn sich absehbar viele Menschen so verhalten.

Doch die Absage spielt den selbstgerechten Maskengegnern in die Karten. Sie gieren danach, als verfolgte Opfer einer Wilkürherrschaft, als letzte Verteidiger der Meinungsfreiheit aufzutreten. Der Berliner Innensenator gibt ihnen damit quasi ein Gütesiegel.

Nun gehören solche Spielchen von Verbot, Klage und Gerichtsentscheid zum gängigen Repertoire ideologisch angetriebener politischen Auseinandersetzungen. Das ist bei Links- wie Rechtsextremen Aufmärschen der gewohnte Ablauf. Es geht darum, sich vor einer möglichst großen Öffentlichkeit, wechselseitig wirkungsvoll ins Unrecht zu setzen. Die Gerichte wirken ungewollt als Verstärker einer Botschaft, deren Inhalt eigentlich gleichgültig ist. Es darf schließlich jeder denken, was er will.

Die Berliner Innenbehörde hat diese Spirale angestoßen. Vielleicht gibt es aber auch Alternativen? Das Ordnungsrecht lässt viele Dinge zu und ließe den Wirklichkeitsverweigerern Raum für ihren Frustabbau. Muss es die Demo in der Innenstadt sein? Lässt sich nichts an Marschrouten und Abständen machen?  Gesellschaftlich tolerieren wir vergleichbares Fehlverhalten bei Urlaubsreisen, Partys am Strand und Massenbetrieb in Ausflugszielen. Mehr Gelassenheit bei einem lauten, aber letztlich kleinen Randphänomen wäre vielleicht ein richtiger Gedanke.