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Kommentar zur Anti-Corona-Demo in Berlin: Mehr Konsequenz im Umgang mit Corona-Gefährdern

Kommentar zur Anti-Corona-Demo in Berlin : Mehr Konsequenz im Umgang mit Corona-Gefährdern

Das Auflösen der Demo von Corona-Leugnern in Berlin war ein erster richtiger Schritt. Es brauche aber noch mehr Konsequenz im Umgang mit vorsätzlichen und fahrlässigen Gefährdern der Gesundheit, kommentiert unser Autor Gregor Mayntz.

Wenn das Coronavirus in der Luft sichtbar wäre und einen Menschen nach dem Überspringen sofort grün färben würde, hätte die Hauptstadt ein Phänomen wie an diesem Wochenende mit vielen tausend Corona-Gegnern nicht erleben müssen. Da es aber nur mit Verspätung an seinen verheerenden gesundheitlichen Folgen sichtbar wird, legt es selbst den Nährboden für bequemes Leugnen. Was ich nicht sehe, gibt es nicht. Also lass mir gefälligst meine Gewohnheiten und sozialen Kontakte. Diese Art von Verhalten löst amüsierte Reaktionen aus, wenn Kleinkinder sich die Hände vor die Augen halten und in der Eigenwahrnehmung die Realität ringsumher verschwindet.

Doch zum Amüsieren sind die Ausfälle im menschlichen Denkvermögen nicht. Das fängt schon damit an, dass viele Menschen glauben, sie würden sich mit den einfachen Masken nur selbst schützen. Daraus folgern sie, dass sie die Wahl hätten, die Maske aufzusetzen oder nicht – jeweils abhängig vom persönlichen Risiko, das sie einzugehen bereit sind.

Dass der normale Mund-Nasen-Schutz vor allem die anderen schützt, ist in der asiatischen gesellschaftlichen Kultur tief verankert. Westliche Traditionen tun sich schwer damit, vorsorglich Rücksicht auf andere zu nehmen.

Es bedarf also unermüdlicher Aufklärung. Nicht nur über die Funktion der Masken. Sondern auch über die bedenklichen Spätfolgen und Einschränkungen selbst bei leichten Covid-19-Krankheitsverläufen. Und über die täglich wachsenden Corona-Erkenntnisse: Etwa, dass auch künstliche Beatmung jeden zweiten Betroffenen nicht retten kann. Oder dass vermehrt auch Körperteile amputiert werden müssen. Und vor allem: Dass die deutschen Statistiken nicht die aktuelle Dimension der Bedrohung erfassen, sondern dass sich in vielen Regionen der Welt schnelle Lockerungen oder verspätete Einschränkungen bitter gerächt haben.

Und es bedarf mehr Konsequenz. Demonstrationen unter Auflagen zu stellen, damit das Grundrecht auch in Corona-Zeiten ausgeübt werden kann, dürfen danach nicht als Freibrief zum Missachten von Hygiene- und Abstandsregeln aufgefasst werden.

Dass die Ordnungshüter hier in der Vergangenheit großzügig über massenhafte Missachtung der Regeln hinwegsahen, hat sicher auch mit einer weite Bereiche des Alltags erfassenden Sorglosigkeit zu tun. Die Innenstädte sind voll von dicht an dicht das Leben nach dem Shutdown genießenden feiernden Menschen.

Natürlich macht der soziale Kontakt den Menschen aus und ist ein Grundbedürfnis einer funktionierenden Gesellschaft. Aber er steht in diesen Zeiten unter dem Grundverdacht, sehr konkret tödlich enden zu können. Das darf sich jeder im Alltag ruhig häufiger vor Augen führen.

Deshalb war es gut, dass die Polizei nach wiederholten Aufforderungen die Berliner Kundgebung beendete und so lange einschritt, bis auch der harte Kern der Corona-Leugner aufgelöst war. Das Agieren Einzelner muss dokumentiert und je nach Folgen auch dem Staatsanwalt zur Verfügung gestellt werden. Schließlich steht auf das vorsätzliche Verbreiten von gefährlichen Infektionen die Freiheitsstrafe. Auch das gehört zur nötigen Konsequenz dazu.