Kommentar Mindestlohn: Preis der Arbeit

Jetzt kommt der gesetzliche Mindestlohn. Die Neuregelung ist nicht unproblematisch, aber sie ist überfällig.

Es ist unerträglich, wenn Arbeitnehmer trotz Vollzeit zum Aufstocken ihres Gehalts ins Amt laufen müssen. Wer ordentlich arbeitet, der muss auch ordentlich bezahlt werden. Das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft hat nicht nur einen Wert, sondern auch einen Preis.

Das Geschäftsmodell, dass der Staat Billigarbeit mit Zuschüssen subventioniert, ist auf Dauer nicht tragfähig. Auch führt Lohndumping später direkt in die Mini-Rente. Altersarmut wird so für immer mehr Menschen zur realistischen Schreckensvision. Die Wirtschaft warnt vor steigenden Arbeitslosenzahlen, wenn Friseure und Paketfahrer besser bezahlt werden. Auch ist die Sorge um den Erhalt von Praktikanten-Stellen nicht ganz unbegründet. Und die Zunahme der bürokratischen Kontrollen wird zur Belastung. Trotzdem bleibt der Mindestlohn in einer Güterabwägung richtig. Wer auch abseits von Festtagsreden den Spruch "Leistung muss sich lohnen" mit Leben füllen will, darf einen Stundenlohn von unter 8,50 Euro nicht akzeptieren: 1400 Euro Bruttolohn im Monat sind sicher kein Luxusgehalt. Die Einführung eines Mindestlohns ist nicht Ausdruck von Sozialromantik. Eine angemessene Bezahlung dient dem sozialen Frieden. Lohndumping mit Stundenlöhnen von drei Euro ist in einem reichen Land unzumutbar. Für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft spielt der Mindestlohn keine Rolle: Für konkurrenzfähige Produkte sind gute Ideen wichtiger als die Lohnkosten.

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