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Kommentar zum Cityring: Minimaler Konsens

Kommentar zum Cityring : Minimaler Konsens

Bonn könnte beim Cityring demnächst exakt so weit sein wie vorher. Aufwand, Erregungskurve und Mitteleinsatz stehen in der ganzen Sache im argen Missverhältnis zum vergleichsweisen überschaubaren Erfolg, meint unser Autor.

Alles neu macht nicht unbedingt der Mai, sondern manchmal auch der Juni. Und zuweilen ist es gar nicht so neu, wie jetzt der CDU-Vorschlag zum Cityring beweist, der auf kaum mehr als eine Wiederherstellung der ursprünglichen Zuwege zum Hauptbahnhof hinausläuft. Anders gesagt: Nach monatelangen Debatten, einer erst lautstark geforderten und dann nicht abgewarteten Testphase mit merkwürdigen Randerscheinungen (Schleife durch die Nassestraße), nach Protest und Gegenprotest, gegenseitigen Rücksichtslosigkeiten in der Koalition und einigen unbestreitbaren Vorteilen für Radfahrer – siehe Kaiserstraße und Rathausgasse – könnte Bonn beim Neuzuschnitt des Cityrings demnächst exakt so weit sein wie vorher.

Zweifellos kann und darf auch das ein Ergebnis demokratischer Entscheidungsprozesse sein, die ebenso zweifellos revidiert werden dürfen. Dass Aufwand, Erregungskurve und Mitteleinsatz – wieder einmal – im argen Missverhältnis zum vergleichsweise überschaubaren Ergebnis stehen, hinterlässt jedoch einen faden Beigeschmack mit einer charakteristischen bönnschen Note.

Jetzt wieder doch nur viel Lärm um nichts, nachdem es zuletzt während der Corona-Pandemie doch so unwirklich ruhig auf den Straßen geworden war? Zunächst wird der Stadtrat entscheiden, wohin die Reise geht. In der Sommerpause mag dann Gelegenheit bestehen, den Minimalkonsens Revue passieren zu lassen, sofern die Umstände diesen Namen verdienen. Und im September könnte die Wahl Aufschluss über eine Frage geben, die in der Debatte merklich zu kurz kam: was eigentlich die Bürger wollen.