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Kommentar zur Beethovenhalle: Misserfolg mit vielen Vätern

Kommentar zur Beethovenhalle : Misserfolg mit vielen Vätern

Das Desaster auf der Baustelle der Beethovenhalle liegt in der Hauptsache in der Verantwortung des Städtischen Gebäudemanagements. Doch auch manches andere Frühwarnsystem hat bei dem Projekt versagt, meint GA-Redakteur Andreas Baumann.

Jetzt haben es Stadtverwaltung und Rat schriftlich: Der Misserfolg in der Beethovenhalle hat viele Mütter und Väter. Nachdem die städtischen Rechnungsprüfer das millionenschwere Desaster gewohnt nüchtern analysiert haben, formt sich ein Bild.

Am Anfang steht der politische Wille, die Halle noch vor dem Beethoven-Jubiläum zu sanieren. Schon 2013 erzwingt der Rat, damals noch von Schwarz-Grün dominiert, eine Straffung des Zeitplans – gegen die Einwände des Städtischen Gebäudemanagements. Damit ist der falsche Ton gesetzt; das SGB fügt sich. Später wachsen die Ausmaße des Projekts, der Architektenaufwand ebenso, und die Arbeiten starten, ohne dass alle nötigen Pläne vorliegen – das kann so nach Experteneinschätzung nicht funktionieren. Doch die Auftragnehmer der Stadt versichern, der Zeitplan sei trotzdem zu halten. Das SGB ist nicht in der Lage oder willens, diese Fehleinschätzung zu erkennen – und so fasst der Rat einen Beschluss, ohne die wahren Risiken zu kennen.

Glaubt man den Prüfern, hat das SGB bei der Vorbereitung des Projekts und beim Betreiben der Baustelle haarsträubende Fehler gemacht. Es ist bezeichnend, dass einige Mitarbeiter schon kurz nach Sanierungsstart intern vor einem Scheitern warnten, ohne dass erkennbare Konsequenzen folgten. Die formale Zuständigkeit ist völlig klar: Die Verantwortung liegt bei der damaligen SGB-Chefin. Aber Stadtdirektor Wolfgang Fuchs als Projektleiter und Ashok Sridharan als Chef der Verwaltung müssen sich trotzdem fragen lassen, ob sie vielleicht nicht genau genug hingeschaut haben.

Der Sanierungsstau in Bonn ist gigantisch, und der neue SGB-Chef Lutz Leide wird es schwer haben, seinen Laden dafür fit zu machen. Mit der Sperrung der Godesberger Stadthalle aus Sicherheitsgründen hat er aber ein Achtungszeichen gesetzt. Er scheint ein Mann zu sein, der auch vor harten, unpopulären Entscheidungen nicht zurückschreckt.