1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zur Verkehrssicherheit: Mut und Vernunft

Kommentar zur Verkehrssicherheit : Mut und Vernunft

In Bonn steigen mehr Menschen aufs Fahrrad. Doch Radfahrer leben in der Stadt immer noch gefährlich, ihr Anteil an den Verunglückten und Schwerverletzten ist besonders hoch. Unser Autor fährt selbst Auto - und fordert dennoch mehr Platz für Radfahrer.

Der Ton auf deutschen Straßen gilt als rau. Studien zum Verkehrsklima zeigen: Viele Menschen empfinden den Verkehr hierzulande als aufreibend und stressig. Besonders in den Innenstädten ist mehr los. Neben Fußgängern, Rad- und Autofahrern kommen zudem mehr Pedelecs und E-Scooter dazu. Auch wenn die Zahl der Verunglückten 2019 sank, die Zahl der Unfälle in Bonn und der Region nahm zu. Besonders stark stieg der Anteil der verunglückten Senioren. Deren Mobilität nimmt zu, was in vieler Hinsicht ein Segen ist.

Ohne Reibung wird es auf der Straße nie zugehen, soviel ist klar. Doch weil der begrenzte Platz dort nicht größer wird, sind Vernunft und Mut gefragt. Zu oft fehlt beides, wie etwa der Blick auf das Hin und Her beim Bonner Cityring zeigt. Wer den Radverkehr stärken will, muss sehr viel mehr sehr viel schneller tun. Geschützte Radwege, sogenannte Protected Bike Lanes, wie auf der Welschnonnenstraße, sind ein gutes Mittel, Radfahrer besser zu schützen. Leider stoßen sie an vielen Stellen aufgrund gesetzlicher Vorgaben an Grenzen. Dass politischer Wille trotzdem eine bessere Infrastruktur für Radfahrer ermöglicht, zeigen Vorbilder wie Münster, Amsterdam und Kopenhagen. Dass diese längst überfällig ist, zeigt der hohe Anteil der Radfahrer an den Verunglückten und Schwerverletzten (40 Prozent).

Die Fahrradlobby bemängelt jedenfalls zu Recht, dass die Verbesserungen der Radinfrastruktur nicht einmal mit der Zunahme des Radverkehrs mithalten. Bonn bewegt sich, aber es bewegt sich zu langsam. Vor entschlossenen Schritten an Gefahrenstellen wie an den Brückenköpfen der Kennedybrücke - etwa Stoppschilder oder Rechtsabbiegeverbote - scheut sich die Stadt, weil die Zulasten des Kraftverkehrs geht. Ähnlich verhält es sich bei der Senkung von Tempolimits. Verkehrspolitik wird immer noch zu stark vom Auto her gedacht. Die Bürger sind derweil längst viel weiter. Sie steigen trotzdem aufs Rad um, wie die Zahlen der Radmessstellen seit Jahren zeigen.