1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar: Neue Regeln für Riester-Verträge - Überforderte Anleger

Kommentar : Neue Regeln für Riester-Verträge - Überforderte Anleger

Wer privat einen staatlich geförderten Altersvorsorgevertrag abschließen will, hat die Qual der Wahl. Und meistens sieht er den Wald vor lauter Bäumen nicht, weil die Anlageprodukte zu ganz unterschiedlichen Konditionen angeboten werden.

Auf dem Markt der Riester-Verträge für mehr Transparenz zu sorgen, ist also längst überfällig. Da der Staat sich an dem Altersvermögensaufbau seiner Bürger beteiligt, muss er eingreifen, wenn das freie Spiel des Marktes die Anleger überfordert.

Die Riester-Rente ist ins Gerede gekommen, seitdem Studien nachgewiesen haben wollen, dass die Rendite nur mäßig ist. Dabei wird immer verkannt, dass der Gesetzgeber hohe Auflagen für Riester-Produkte geschaffen hat: Das angelegte Kapital muss nach der Ansparphase zu hundert Prozent zur Verfügung stehen, und es muss für eine lebenslange Zusatzrente reichen.

Eine wachsende Zahl von Deutschen feiert aber inzwischen den 100. Geburtstag. Das schmälert dann in der Rechnung eines Versicherers die Rendite für einen Anleger, der nur 75 Jahre alt wird. Verbunden mit der staatlichen Zulage rechnet sich ein Riester-Vertrag auf jeden Fall.

Allerdings muss die Regierung noch einen Konstruktionsfehler beseitigen: Es gibt für Geringverdiener keinen Anreiz, in eine Riester-Rente zu investieren. Ihr Mindestbeitrag ist gering, die hohe Kinderzulage macht das Sparen attraktiv. Aber wer im Alter von der Grundsicherung lebt, bekommt die Riester-Rente darauf angerechnet. Der Gesetzgeber muss das schleunigst ändern. Sonst werden die aktuellen Verbesserungspläne wenig bewirken.