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Kommentar: Neujahr in Nordkorea - Politischer Frühling

Kommentar : Neujahr in Nordkorea - Politischer Frühling

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beginnt das neue Jahr mit einem Paukenschlag: Nichts Geringeres als eine "radikale Wende" kündigt er für sein bislang streng abgeschottetes Land an.

Und sogar die Annäherung an Südkorea stellt er in Aussicht. Möglicherweise sehen wir mit dieser Rede den Beginn eines politischen Frühlings in dem zuletzt vor sich dahin siechenden Stalinistenstaat.

Tatsächlich bringt Kim Voraussetzungen mit, die anders als unter seinem abgehobenen Vater Reformen wahrscheinlich machen. Der junge Kim hat in seiner Jugend in der Schweiz gelebt und weiß somit, wie rückständig sein Land ist. Und vielleicht ist für ein so vorgestriges Land wie Nordkorea ein jugendlicher Machthaber mal ausnahmsweise von Vorteil.

Kims junge Gattin und sein bisher vergleichsweise offener Stil weisen auf eine frische Denkweise hin. Der geglückte Start einer Rakete ins All vor zwei Wochen scheint ihn innenpolitisch so weit gestärkt zu haben, dass er sich nun aus der Deckung wagt.

Bleibt die Frage, wohin es mit Nordkorea unter Baby-Kim gehen wird? Dazu hat er sich wohlweislich ausgeschwiegen - vermutlich, um nicht gleich die reaktionären Betonköpfe im Nacken zu haben, die ihn noch immer umgeben.

Immerhin hat er ungewohnt ehrlich auf den niedrigen Lebensstandard seines Landes aufmerksam gemacht, was vor allem auf wirtschaftliche Reformpläne schließen lässt. Damit ist Nordkorea zwar immer noch weit vom Wohlstand und der politischen Freiheit Südkoreas entfernt. Ein Anfang ist aber gemacht.