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Kommentar zur Wielandstraße: Nicht an der Quote drehen

Kommentar zur Wielandstraße : Nicht an der Quote drehen

Der Bonner Wohnungsmarkt hält mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt. Die Quote für Sozialwohnungen war immerhin ein richtiger Ansatz, doch Investoren wie die Pandion AG weichen aus. Dass die Stadt dagegenhält, begrüßt GA-Redakteurin Ayla Jacob.

In Bonn im Allgemeinen - und in Bad Godesberg im Speziellen - lässt es sich gut leben. Schließlich hat die Stadt einiges zu bieten: Rheinnähe, historische Bauten, attraktiven Einzelhandel und abwechslungsreiche Gastronomie. Außerdem sind Behörden, UN, Dax-Konzerne und andere Firmen attraktive Arbeitgeber. Kein Wunder also, dass Bonn immer mehr Menschen anzieht.

Doch es gibt ein Problem: Der Wohnungsmarkt hält mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt. Mieten steigen, Kaufpreise schnellen in die Höhe - sofern es überhaupt freie Flächen oder Häuser gibt. Die Mietpreisbremse zeigt wenig Wirkung, die anhaltende Niedrigzinsphase tut ihr Übriges. So ist es für Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen fast unmöglich, eine erschwingliche Wohnung zu finden. Selbst wenn sie Vollzeit arbeiten. Die vorhandene Zahl an Sozialwohnungen reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken. Bonn muss also aufrüsten. Ein Weg ist, die Vebowag zu stärken und kommunale Bauflächen auszuweisen. Doch von denen gibt es nicht mehr allzu viele. Daher ist es wichtig, dass auch die Privatwirtschaft mitzieht.

Der politische Beschluss, dass neue Bauprojekte ab einer bestimmten Größe eine Quote von 30 Prozent Sozialwohnungen erfüllen müssen, war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch es zeigt sich, dass Investoren trotzdem weiterhin versuchen, die Vorgabe aufzuweichen. So wie jüngst im Bad Godesberger Villenviertel. Dort möchte die Pandion AG bauen - allerdings mit möglichst wenigen (oder gar keinen) Sozialwohnungen.

Diese, so der Vorschlag, könnten stattdessen in einem Pandion-Projekt in Hardtberg installiert werden. Die Verwaltung hat die Verlagerung abgelehnt. Und das ist gut so. Denn nur, wenn an der Quote nicht gedreht wird, ist sie ein Mittel, um der Wohnungsnot entgegenzutreten. Und nur, wenn geförderter Wohnungsbau inmitten von "normalen" Häusern und Luxusappartements entsteht, kann einer Stigmatisierung entgegengewirkt werden.