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Kommentar zur Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland: Noch nicht zukunftsfähig

Kommentar zur Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland : Noch nicht zukunftsfähig

Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr ist zu Ende gegangen. Gemeinden sollen sich stärker an Menschen orientieren. Man wird wohl beginnen müssen, sich für die Zukunft aufzustellen, kommentiert GA-Korrespondent Benjamin Lassiwe.

Auf die Evangelische Kirche im Rheinland kommen schwere Zeiten zu. Bis 2060 soll sich die Zahl der Kirchenmitglieder halbieren – diese Information stammt aus einer Studie des vergangenen Jahres, ist allgemein bekannt und man kann sich darauf einstellen. Oder besser gesagt: Man könnte es. Denn die in Bad Neuenahr zu Ende gegangene Landessynode hat wieder einmal sehr deutlich gemacht, dass sich die Landeskirche derzeit in einer sehr schlechten Ausgangsposition befindet.

Wenn in mehr als der Hälfte der rheinischen Kirchengemeinden keine ordnungsgemäßen Presbyteriumswahlen stattfinden können, weil es nicht mehr Bewerber als Mandate gibt, dann sagt das mehr als jede Kirchenstatistik über die Zukunftsfähigkeit der Kirche aus. Gerade bei einer synodal verfassten Kirche wie der Evangelischen Kirche im Rheinland, die den Gemeinden ein großes Maß an Unabhängigkeit gibt, und die die Arbeit der Kirche an der Basis ansiedelt, ist es fatal, wenn an einer der wichtigsten Schlüsselstellen die Ehrenamtlichen fehlen. Denn die Presbyter entscheiden nicht nur über den Haushalt oder die Anstellung von Mitarbeitenden in den Gemeinden. Sie sind das Gesicht der Kirche vor Ort, sie sorgen dafür, dass der Laden läuft.

Dass es hier nicht genug Ehrenamtliche gibt, wird Auswirkungen auf eine Menge anderer Fragen haben: Zum Beispiel, wie es den Gemeinden gelingt, den Glauben an die nächste Generation weiterzugeben. Es wäre deswegen gut und richtig, und vermutlich dringend notwendig, würde sich das evangelische Kirchenparlament auf einer seiner nächsten Tagungen zentral mit den Aufgaben und der Ausgestaltung des Presbyteramtes beschäftigen. Ansonsten wird man wohl nicht beginnen müssen, sich für die Zukunft aufzustellen.