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Kommentar zur Hamburger Olympia-Entscheidung: Nüchtern kalkuliert

Kommentar zur Hamburger Olympia-Entscheidung : Nüchtern kalkuliert

Hamburger sind sachliche Leute. Ihr Votum gegen Olympia überrascht daher nicht. Die Risiken und Nachteile erschienen den Hanseaten größer als ein mutmaßlicher Nutzen. Olympia ist einfach nicht mehr attraktiv, um das aufzufangen.

Dabei hat es an Unterstützung nicht gefehlt. Alle maßgeblichen Kräfte der Stadt, angeführt von Olaf Scholz, haben unablässig und medial einseitig verstärkt immer wieder hervorgehoben, welche Chance die Spiele an der Elbe doch böten. Aber die entscheidenden Fragen konnten sie nicht schlüssig beantworten: Wie teuer würde Olympia für die Stadt werden? Was passiert auf dem Wohnungsmarkt, der schon heute komplett aus dem Lot ist?

Welche Einschränkungen hätten die Hamburger deswegen und für Sicherheitsmaßnahmen hinnehmen müssen? Und wie wollte man einen neuen Stadtteil an der Elbe entwickeln, wo man doch schon heute mit den Verkehrsproblemen in der Stadt und mit der Elbvertiefung nicht zurechtkommt? Hinzu trat der verblichene Glanz des Sportes selbst. Der hat das Problem Doping nicht im Griff, er leidet unter Korruption und einer ausufernden Kommerzialisierung. Eintrittskarten sind für viele Normalbürger selbst in einer wohlhabenden Region wie Hamburg unerschwinglich.

Wer nüchtern kalkuliert, muss am Ende erkennen: Das Risiko bleibt bei den Hamburgern. Einen neuen Anlauf in Deutschland wird es erst wieder geben, wenn die Spiele sich gründlich reformiert haben. Die grundsätzlichen Ideen von Frieden und Völkerverständigung sind in diesen Tagen gleichwohl so wichtig wie schon lange nicht.