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Kommentar zur Briefankündigung: Nur noch mehr Mails

Kommentar zur Briefankündigung : Nur noch mehr Mails

Kunden der Deutschen Post und von 1&1 können künftig online sehen, welche Briefe später im Briefkasten liegen. Die Briefankündigung ist Teil der Digitalisierung, aber sicherlich nicht die wichtigste Maßnahme, kommentiert GA-Mitarbeiterin Marie Schneider.

Ein Foto des Briefumschlags direkt ins E-Mail-Postfach: Das klingt im ersten Moment nach einer guten Digitalisierungsstrategie. Aber ist es das wirklich? Der neue Service der Deutschen Post und des Internet-Konzerns 1&1 ist am Montag angelaufen und ermöglicht es Kunden, schon morgens zu wissen, was später in ihrem Briefkasten landet.

Fraglich ist allerdings, welchen Nutzen es für Kunden hat, darüber informiert zu sein. Hilft es wirklich weiter, nur wenige Stunden vor Ankunft der Post zu wissen, welcher Brief heute kommt? Oder wird das E-Mail-Postfach dadurch nicht nur noch voller als es ohnehin schon ist? Wer beispielsweise im Urlaub ist, kann gewiss von dem Angebot profitieren und weiß, ob zu Hause eine wichtige Nachricht angekommen ist. Doch kann man anzweifeln, ob diese Information dann tatsächlich weiterhilft. Nicht immer ist am Briefumschlag sofort zu erkennen, von wem der Brief kommt und was der Inhalt ist. 

Andererseits ist das neue System der erste Schritt in die richtige Richtung beim Thema Digitalisierung. Wenn das Angebot im kommenden Jahr ausgeweitet wird und Kunden sogar den Inhalt der Briefe unterwegs lesen können, könnte dies tatsächlich mehr Flexibilität bedeuten. Die Post sollte das Angebot dann jedoch durch Kooperationen mit anderen Dienstleistern für noch mehr Kunden zugänglich machen. Denn zurzeit beschränkt sich der Service auf lediglich zwei E-Mail-Dienste. Die Briefankündigung ist Teil eines umfassenden Digitalisierungspakets der Deutschen Post, aber sicherlich nicht die wichtigste Maßnahme.